Samstag - Gab allein in Gion, Kiyomizu Tempel und Geishas
Tony hat es leider erwischt und er wurde von Magenproblemen ausgeknockt. Nach einiger Zeit des unschlüssigen Recherchierens entschied Gab dann, alleine loszuziehen, und sich einfach vom Hostel-Personal ein paar Tipps einzuholen, was es cooles in der Gegend gibt.
Zunächst führte der Weg zum benachbarten Viertel Gion, dem alten Geischa-Viertel von Kyoto, einst wie heute das größte Geisha-Viertel Japans. Es ist insbesondere dafür bekannt, dass hier die traditionelle Entertainment-Kultur und auch Architektur aus alten Zeiten erhalten geblieben ist und man bis heute v.a. am Abend Geishas begegnen kann, die in den Teehäusern die Gäste unterhalten ( - auch der Film "die Geisha" wurde hier teilweise gefilmt).
Jetzt war es allerdings noch früher Nachmittag und nicht viel los, als ich mich durch die Gassen schlängelte und die Häuser bewunderte.



Es war wiedermall ein schöner, spätsommerlicher Tag so mitten im Oktober. Geishas hab ich zwar noch keine gesehen, dafür aber viele Leute, männlich wie weiblich, in Kimonos und anderen traditionellen Klamotten. Generell ist es nicht selten, in Japan Menschen in traditionellen Gewändern zu sehen, aber hier in Kyoto (zudem am Wochenende), waren es besonders viele. Auch gab es hier in der Gegend unzählige kleine Shops, in denen man Kimonos für einen Tag mieten konnte. Echte Kimonos kosten ein halbes Vermögen, daher glaube ich, dass die meisten wahrscheinlich auch gemietet waren. Die Japaner scheinen dies vor allem für besondere Anlässe zu tun, darunter Ausflüge und Dates.
Ich ging zum Gion Corner, da mir gesagt wurde, dass es dort Abends eine bezahlbare Geisha- bzw. Maiko-Show gab (Maikos sind Geishas in Ausbildung). Ähnlich wie beim Kabukiza erwartete mich am Eingang ein Schild, welches darüber informierte, dass Tickets täglich nur vor Ort zu kriegen waren, und zwar ab einer bestimmten Uhrzeit am Abend. Gegenüber gab es ein Kunstmuseum mit sehr pompösen Preisen und einer Austellung, die dem Kürbis gewidmet war. Das ließ ich links liegen.
Gion Corner:
Kürbis-Kunst zur Außenwerbung:
Als nächstes führte mich mein Weg zum Kiyomizu Tempel, der mir aufgrund der schönen Aussicht über Kyoto empfohlen wurde. In Kyoto gibt es sehr viele wichtige historische Gebäude und Tempel, da ist bei der begrenzten Zeit, die wir hier hatten, jede Empfehlung Gold wert gewesen. Ich fuhr also zwei Haltestellen mit dem Bus und wurde direkt von einem großen Menschenstrom begrüßt, voller Japaner, die zu diesem Tempel pilgerten. Tony hätte es wahrscheinlich nicht gefallen.
Auf dem Weg die Straße hoch zum Tempel, kurz ein Blick zurück:
Am Fuß des Tempels angekommen, entdeckte ich ein relativ leeres Café, welches japanisches Kratz-Eis anbot. Das wollte ich ohnehin mal probieren, nachdem ich es in einer meiner lieblings Netflix-Serien ("Kantaro") gesehen habe, also setzte ich mich rein. Am liebsten essen die Japaner es mit Melonen-Sirup, doch die Sorte war leider ausverkauft, daher entschied ich mich für die Variante Ohne-Alles, um sozusagen den Baseline-Geschmack kennenzulernen. Ich war neugierig darauf, ob es buchstäblich nur Schnee mit Sirup ist oder nicht.
Die Antwort ist etwas dazwischen: Ja, es ist im Grunde Schnee - aber nur, wenn Schnee noch luftiger und komplett aus Zuckerwasser gemacht wäre. Es war tatsächlich ziemlich lecker und erfrischend. Kann mir gut vorstellen, wie so ein Eis in der schwülen Sommerhitze Japans die beste Süßspeise auf der Welt sein kann.
Danach ging ich den Kiyomizu Tempel hoch. Er ist berühmt dafür, mithilfe einer Holzkonstruktion an einem steilen Hang erbaut worden zu sein, eine wunderbare Aussicht zu bieten und heilendes Wasser aus einem Wasserfall zu beinhalten. Außerdem auch dafür, dass Menschen früher von seiner etwa 13m hohen Holzterasse heruntergesprungen sind, da ein Mythos besagt, dass dem Überlebenden eines solchen Sprunges alle Wünsche erfüllt werden. Heute ist das Springen natürlich verboten.
Aussicht:
Eingang:
Mehr coole Drachenstatuen:
Unter der Pagode:
Es gab auf dem Gelände wiedermal zahlreiche heilige Dinge, darunter heilige Liebessteine, einen heiligen Baumstamm, mehrere Statuen und Figuren die Wünsche erfüllen sollten, etc.
Drinnen schallte ein stetiges, ehrerbietendes Klingen von einer großen Klangschale, die die Besucher schlugen. Teilweise waren auch hier Fotos verboten.
Ich wanderte unwissend durch die Gegend, erfreute mich an den Anblicken, trank ausversehen beim Waschritual Wasser, an dem "Do not drink" stand (das Waschritual beinhaltet normalerweise eine Reinigung des Mundes), während ich das Becken mit dem eigentlichen heilenden Wasser überging, da die Schlange ewig lang war und ich noch nicht wusste, was es damit auf sich hatte. xD
Nach einiger Zeit machte ich mich so langsam wieder auf den Weg zurück, diesmal durch die hauptsächliche zum Tempel führende Straße (ich war zuvor über eine Nebenstraße hochgegangen). Hier reihten sich noch mehr Souvenir-Läden aneinander als in der vorherigen Straße, und hier waren auch nochmal wesentlich mehr Menschen. ABER: Fast überall konnte man wieder herangehen und Snacks gratis probieren. Ich war zwar immernoch ziemlich des Zuckers überdrüssig, aber die lokale Köstlichkeit, Yatsuhashi (dünner, crepe-artiger Teig mit verschiedenen Füllungen in dreieckiger Form), riss mich so vom Hocker, dass ich trotzdem von Stand zu Stand ging und alles mögliche probierte. Ich verließ die Straße satt und zufrieden - und noch überzuckerter als zuvor.
Mein Weg führte mich zurück zum Gion Corner, wo es zufällig gratis Wlan gab, so dass ich ein bisschen mit Tony schreiben konnte, während ich in der Ticketschlange stand. Tony beschloss, doch noch dazu zu kommen, da es ihm mittlerweile besser ging. Kurze Zeit später saßen wir im Theater und schauten uns die Show an, welche aus mehreren Teilen bestand:
Einer traditionellen Tee-Zeremonie:
Musikalische Untermalung mit zwei Koto's (japanische Harfen). Die Spielerinnen hatten fünf "Plektren" an ihren Fingern angebracht zum Zupfen der Koto.
Ikebana (traditionelles Pflanzenarrangement):
Gagaku (traditionelle Musik- und Tanz-Kombination, früher nur für den imperialen Hof gedacht):
Kyogen Theater (komödiantisches Theater für das Volk). Heute mit einem Stück aus dem 16ten Jahrhundert, in dem es um einen Sake-Händler ging, der seine zwei Diener mit einer List fesselte, weil er befürchtete, sie würden seinen Sake trinken während er weg ist. Doch die gefesselten Diener schafften es trotzdem, sich zu besaufen, indem sie sich gegenseitig halfen, und wurden schließlich erwischt und verkloppt.
Ein Kyo-Mai Tanz, hypnotisierend performt von einer wunderschönen Maiko:
Dieser Tanz war für mich das Highlight des Tages. Er war langsam, zart und von solcher Perfektion, dass ich absolut in den Bann gezogen wurde. Keine einzige Muskelzuckung der Maiko war unbeabsichtigt, und sie vermochte es, selbst einer subtilen Neigung ihres Kopfes oder einer Drehung der Hand Schönheit und Bedeutung zu verleihen.

Am Schluss gab es noch Bunraku, traditionelles japanisches Puppentheater. Seit 2003 ist Bunraku ebenfalls Unesco Weltkulturerbe, auf einer Liste namens "Masterpieces of the Oral and Intangible Heritage of Humanity". Auch die Geschichte, die hier vorgestellt wurde, war sehr alt und handelte von einer verbotenen Liebe und einem anstehenden Ehren-Selbstmord des jungen Mannes, da er und sein Meister bei dem Auftrag versagt hatten, ein wichtiges Schwert zu finden. Im letzten Moment fand seine Geliebte das Schwert bei dem Mann, mit dem sie zwangsverheiratet werden sollte, doch die Tore der Stadt waren bereits verschlossen und sie konnte es ihm nicht sagen. Sie jagte durch die Stadt und broch schließlich alle erdenklichen gesellschaftlichen Regeln, indem sie einen Turm erklomm und die Alarmglocken der Stadt läutete, um ihren Liebsten zu rufen.

Nach der Show schlenderten Tony und ich ein bisschen durch die Straßen von Kyoto, und gönnten und ein kleines Intermezzo in einem Gashapon-Shop (also einem Laden voller Spiezeug-Automaten, wo man eine Münze rein wirft, an einem Knubbel dreht und dann ein zufälliges Item kriegt). Die gibt es in Japan buchstäblich überall, aber erst jetzt hat uns die Lust darauf gepackt, das mal auszuprobieren. Erst wollten wir es nur ein Mal tun, doch schnell packte uns die Sucht und wir ließen so manchen Yen im Austausch gegen ulkigen Klimbim in diesem Laden (unter anderem eine Art Klopapierrollen-Stoffbezug, das aussieht wie ein graues Kätzchen mit Fliege).
Danach gab es noch einen Abstecher in Kyotos Pokemon-Store. Gab's inneres Kind flippte ein bisschen aus dabei. *hust*
Und schließlich entschieden wir uns, in einem Izakaya Essen zu gehen (das ist eine Art Japanischer Pub inkl. Essen). Unsere Wahl fiel auf ein Lokal mit dem einladenden Namen: "Komefuku". Wir mussten ca. 10 Minuten schlange stehen dafür, aber das ist in Japan i.d.R. ein gutes Zeichen.
Tony war heute ein bisschen vorsichtiger wegen seinem Magen, für Gab gab es hingegen eine große Portion Tempura und Bier.
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