Dienstag: Tempel, Paläste und reitende Bogenschützen
Heute haben wir erstmal ordentlich verpennt. Womöglich ist es am Vorabend ein bisschen zu spät und ein bisschen zu Sake geworden. Man weiß es nicht. Jedenfalls sorgte dieses Missgeschick dafür, dass wir kurzfristig unsere Wanderpläne überdenken mussten. Da wir erfuhren, dass heute im Tempelareal von Nikko ein Fest stattfinden sollte, entschieden wir uns kurzfristig, heute ebendieses Tempelareal zu erkunden. Das ersparte uns die stundenlange Busfahrt und schien uns auch chilliger. Und wir hatten es insgesamt eh vorgehabt, nun wurde es eben vorgezogen.
Das Tempelareal von Nikko ist übrigens Unesco Weltkulturerbe und beinhaltet zwei kleinere Wanderrouten voller Tempel, Schreine und Statuen. Wir haben es jedenfalls nicht geschafft, alles zu sehen. Machbar wäre es gewesen, aber wir haben wegen dem Fest zu viel getrödelt.
Schon am Eingang begrüßten uns imposante Figuren.


Der erste große Tempel unterwegs war der Rinoji Tempel. Dieser war allerdings gerade von einem Baugerüst mit aufgedrucktem Rinoji-Tempel-Motiv umgeben, wahrscheinlich für Restaurationsarbeiten. Eintritt kostete dieser Tempel, so wie fast jede historische Anlage in der Gegend, ebenfalls. Stattdessen gingen wir daher gegenüber in ein Museum, das dem Tokugawa Shogunat gewindmet ist (Fotos verboten), und besuchten den dazugehörigen japanischen Garten.
Im Teich gab es Koi-Karpfen und direkt daneben ein kleines "Vogelhäuschen", aus dem man gegen Spende Koifutter nehmen konnte. Das mussten wir aber gar nicht tun: Die Kois waren es so sehr gewöhnt, von Menschen gefüttert zu werden, dass sie sich bei unserem Näherkommen direkt um den Steg scharten und sogar streicheln ließen.
Tony versuchte sich derweil weiterhin erfolgreich an Makro-Fotografie.
Wir fanden in einigen Lampen Münzen drin, also steckten wir in eine davon ebenfalls eine Münze rein. Soweit uns bekannt war, gibt man Geistern in Japan Geld, um sie zu besänftigen. Sicher ist sicher.
Wir gingen die Route weiter und an dem Weg vorbei, auf dem später das Fest stattfinden sollte. Ein paar Taiko Trommler standen schon bereit und beschallten die langsam wachsende Menge.
Und rechts vom Weg waren noch andere altmodische Gebäude und Tempel etc., zum Teil mit Verkäufern drin. Da hier alles auf japanisch Beschildert war und nicht jeder Tempel in unserer Karte eine Beschreibung hatte, wussten wir teilweise nicht, worum es sich nun handelte oder was die Bedeutung von xy war.
Wir folgten dem Weg weiter hoch und kamen beim Toshogu-Tempel inkl. Pagode an. Hier tummelten sich Touristengruppen und Schulklassen, der war auch direkt dran am Festgelände, daher betrachteten wir den Tempel und die Pagode nur von Außen.
Die Pagode ist übrigens, inklusive Berg, etwa auf Höhe des Tokyo Skytree. Aber was noch interessanter ist: Der Kern der Pagode ist ein frei schwingender Balken. Dieser hängt an der Decke der obersten Pagode und berührt weder den Boden noch einen anderen Teil des Tempels. Dies ist eine uralte japanische Methode, um hohe Gebäude erdbebensicher zu machen: Der Balken im Inneren bildet ein Gegengewicht (oder so ähnlich). Der Tokyo Skytree ist nach einem ähnlichen Prinzip gebaut.
Wir machten kurz Pause und aßen u.a. schwarze Mochi (geschwärzt mit Bambuskohle und gefüllt mit schwarzer Sesampaste). Schwarze Sesampaste fetzt mega hart und die gibt es in Japan auch als Brotaufstrich, ähnlich wie Erdnussbutter. Wäre auf dem WGT sicher der Knaller.
Als nächstes gingen wir zum (nächsten) Futarasan-Tempel. Zwischen Toshogu und Futarasan war ein Weg mit zahlreichen alten Lampen, neben denen man cool aussehen konnte:
Am Futarasan bezahlten wir dann auch Eintritt und betraten das Gelände, wo es zahlreiche kleinere heilige Stätten und Statuen gab.
z.B. ein heiliger alter, riesiger Baum:
Im Futarasan entdeckten wir auch einen heiligen Steinhügel (Felsgrab?) mit einer herausragenden Klinge, die so glatt poliert (oder verchromt?) war, dass sie aufgrund der Spiegelung des Waldes fast unsichtbar war:
Gegen Mittag ging dann das Fest los: Es ging um historisches berittenes Bogenschießen. Die Bogenschützen versuchen dabei, 3 Ziele so schnell wie möglich hintereinander abzuschießen.
Die Strecke:
Aber erstmal mussten alle Beteiligten den Hügel mehrmals rauf und runter marschieren, in historischen Kostümen natürlich.
Ein paar dekorative Samurai waren auch dabei:
Und dann gab es Action:
Mit dem ganzen zeremoniellen rauf- und runterlatschen dauerte das ganze ziemlich lang. Eigentlich hatten wir vor gehabt, zumindest eine der beiden Wanderrouten zu laufen, nach Scouts Empfehlung unterwegs auf den Berg Toyama-San zu kraxeln, sowie eine alte imperiale Residenz anzusehen. Aufgrund der mangelnden Zeit passten wir unseren Plan wieder an und gingen auf der Wanderroute erstmal nur zum nächsten interessanten Punkt: Dem Mausoleum vom dritten Shogun Japans, Tokugawa Iemitsu.
Zum Mausoleumsgelände ging es durch zwei Tore und über mehrere Treppen, und das hier war das erste Tor:
Wir begegneten mehreren steinernen Wächtern, darunter vier buddhistischen Schutzgöttern, den Yasha-mon, die das zweite Tor zum Mausoleum bewachten. Sie waren so wundervoll bemalt, dass sie aussahen, als könnten sie jeden Moment zum Leben erwachen und einen nach Strich und Faden vermöbeln.
Das Mausoleum selbst besaß ein vollständig vergoldetes Tor (Kara-mon), mit einem weißen Drachen unter seinem Giebel.
Drinnen waren Fotos wiederum verboten. Es herrschte eine sehr ehrerbietende Atmosphäre, aber es gab auch hier einen kleinen Verkaufsstand für u.a. Räucherstäbchen zum Beten. Natürlich musste man die Schuhe vorher ausziehen.
Wenig später gingen wir wieder hinunter.
An dieser Stelle verzichteten wir darauf, dem Wanderweg weiter zu folgen (das meiste, was uns sehr interessiert hatte, haben wir nun schon gesehen und ab einem gewissen Punkt sind Tempel und Schreine auch Routine geworden), und den Berg verschoben wir auf unseren letzten Nikko-Tag. Stattdessen gingen wir vom Wanderweg runter und in Richtung der Residenz, welche vor Jahrhunderten für einen Prinzen erbaut worden war und im Folgenden auch den Kaiser beherbergte.
Auch hier musste man ein bisschen Eintritt zahlen, die Schuhe ausziehen und durfte nicht auf die seidenen Borten treten, welche die weichen Tatami-Matten von einander trennten (zumindest dort, wo sie nicht mit Teppich überzogen waren). Die Architekten haben hier japanische und westliche Baustile miteinander vereint und es gab viele Infos über den Bauprozess wie auch über die Restaurierungsarbeiten.
Die feinen Herrschaften hatten sogar ein Klo! (PS hier sieht man auch besagte Borten):
Und an vielen Stellen gab es schöne Verzierungen, die dem Zahn der Zeit wiederstanden:
Das Außengelände war ebenfalls schick.
(Hier ein japanischer "Weeping Cherry-Tree" - weinender Kirschbaum):
Auf dem Rückweg Richtung Nikko-Zentrum gönnten wir uns aus Neugier eine Packung Nikko-Cheese-Eggs. Wir vermuteten erst, dass es vielleicht Käse-gefüllte oder -überzogene Eier waren, aber es waren tatsächlich kleine, eierförmige Käsekuchen :D
Und dann gönnten wir uns wieder ein Sushi-Restaurant. Wir beide bestellten das Spezialmenü des Hauses, was neben Sushi und Sashimi auch Miso-Suppe und traditionelle Speisen wie z.B. Yuba (festgewordene Sojamilch-Haut, so zusammengelegt dass es das Bissgefühl einer Artichoke hat) und süße Gelee-Riegel (Youkan?). Wieder Mal ein intensives Geschmackserlebnis!
Schließlich holte uns Scout wieder ab und wir genossen erneut einen angenehmen Abend in internationaler Gesellschaft.
0 Kommentare:
Kommentar veröffentlichen