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Japan Tagebuch - Nikko #2

Montag: Kegon Falls, Lake Chuzenji und Nantai-san

Heute hieß es früh aufstehen, Frühstück um 6:30 Uhr und Abfahrt mit Scout's Shuttle um 7:00 Uhr, denn wir wollten einen der ersten Busse erwischen, der hoch in die Berge fuhr. Die frühe Uhrzeit war damit begründet, dass Scout empfahl, auf diese Weise die größten Touristenmassen zu umgehen. Oktober ist in Nikko nämlich sehr beliebt aufgrund der "Autumn-Leaves-Season", der Zeit im Jahr, in der die Herbstfarben am schönsten erstrahlen. Wir hatten ein bisschen Pech, denn der Sommer war dieses Jahr ziemlich lang in Japan. Selbst heute, wo ich diesen Eintrag schreibe (21. Oktober) war es ein sommerlich warmer Tag, an dem man auch mit T-Shirt noch geschwitzt hat. Entsprechend grün ist also noch das Blätterdach in Japan. Touristenmassen gab es trotzdem. Selbst an dem 7-Uhr-Bus mussten wir Schlange stehen und standen dann im Gang, denn der Bus war rappelvoll. An den folgenden Haltestellen wurden potenzielle Insassen auf den nächsten Bus hingewiesen und nicht mehr rein gelassen. Ging auch nicht.
Eine Stunde lang im Gang stehen wärend der Bus durch Serpentinen fährt ist übrigens sehr spannend. :D *hing da wie ein Äffchen*

Nachdem wir die Fahrt überlebt hatten, begrüßte uns im nordwestlichen Teil von Nikko dann gleich als erstes im Morgennebel der Berg Nantai (Nantai-san, da in Japan Berge mit Höflichkeitsformel versehen werden). Wir lernten kurze Zeit später, dass es sich bei diesem Berg um einen heiligen Berg handelt. Früher durfte dieser von Kühen, Pferden und Frauen nicht betreten werden deshalb. Jedem, der sich über diese Regel hinwegsetzte, drohte die Versteinerung. Am Fuß des Berges in einem Tempel standen auch entsprechende Felsen als Relikte.

Doch zum Nantai gingen wir erstmal nicht - das nahmen wir uns gar nicht erst vor - sondern wir bogen nach rechts, zu dem Wasserfall, den man schon von weitem hören konnte: Den Kegon Falls. Schon auf dem Hinweg erwartete uns die Gischt.
Gegen einige Yen konnte man einen alten Fahrstuhl eine Minute durch den Berg nehmen (Clausthrophobie much?) und dann noch einem Tunnel folgen... 

... um den Wasserfall in voller Pracht von unten zu sehen. Es ist schier unmöglich gewesen, den Anblick auf ein einzelnes Bild zu kriegen. Ein Video kann das besser.


Wir haben viele viele Fotos geschossen.




Die Zeit verflog rasend schnell und wir waren erst eine Stunde später wieder oben. Dort kamen uns schon die ersten größeren Touristengruppen und eine gewaltige Schulklasse entgegen. Gut, dass wir früh da waren. Jetzt erstmal alberne Bilder und dann nen Snack!
Heiße Esskastanien!
(Von Konsistenz und Geschmack her ein bisschen wie ne nussige, leicht süßliche Pellkartoffel.)

Und dann ging es auch schon weiter, durch ein großes Shinto-Tor, zum Lake Chuzenji.



 Mit 1.274m über dem Meeresspiegel ist Lake Chuzenji übrigens einer der höhsten Bergseen Japans.


Man konnte dort Tretboote (in Halloween Verkleidung) und Motorboote mieten...

... doch wir hatten einen Nikko Pass (Multipass), für den wir 4 Tage endlos in Nikko Bus fahren durften und bei dem eine Boots-Rundfahrt über den See inklusive war. Das taten wir dann natürlich auch.

Auch vom See aus sah man den Nantai-san und hier bekamen wir auch einige englischsprachige Informationen über die Umgebung des Sees.

Leider hab ich erst heute bemerkt, dass mein Handy einen Blaufilter drin hat, daher sind alle meine Bilder ein bisschen bläulicher als in Echt. Daher wird nur wenig ersichtlich, wie nice das Farbenspiel um den See herum war, so zu Beginn der Herbstblätter-Saison. Dennoch:





Eine Stunde später und wieder zurück am Startpunkt der Bootstour angelangt, meinten wir eigentlich erst, die nächstbeste Bushaltestelle zu finden und zu dem nächsten Wasserfall zu fahren, den Ryuzu Falls (so genannt, weil ein Fels dort wohl wie ein Drachenkopf aussehen soll oder so).
Auf dem Weg dahin versuchte Tony sich erstmals an Makrofotografie (hat er sehr fein gemacht):

Tony interessierte sich auch für einen der Tempel in der Nähe des Sees (Namens Futarasan, aber irgendwie heißen in Nikko mehrere Tempel Futarasan), an dem wir quasi zufällig vorbeipurzelten, auf der Suche nach der Bushaltestelle. Wir gingen hin und lernten dort das Zeug mit der Versteinerung und fanden auch eine versteinerte Kuh.


 Mit Blick auf den See...





 Anhand einer Anleitung lernten wir das buddhistische Waschritual (man wäscht in einer bestimmten Reihenfolge Hände und Mund, bevor man einen Tempel betritt) und probierten es aus:
Weiter hinten im Tempelkomplex fanden wir ein unauffälliges kleines Tor, das zu einer Treppe führte. Das machte uns neugierig und wir gingen durch.
Diese Treppe führte zu?... Einer weiteren Treppe! Wuusa!
Und Treppe diese führte wiederum zu noch mehr Treppen!
Diese Treppe führte dann zu einem netten kleinen überdachten Pausenbereich mit Statue:

Und von dort ab ging ein weiterer, unbefestigter Weg bergauf:
Bald kamen uns japanische Wanderer entgegen. Wir fragten, ob es noch weit ist, und jedes Mal antworteten sie mit einem breiten Lächeln und einem enthusiastischen "Hai, Hai!"
Einer der Wanderer erklärte uns dann in passablem Englisch, dass wir uns auf dem Wanderweg den Nantai-San hoch befanden. Tony hatte längst der Ehrgeiz gepackt, und so stiegen wir immer weiter auf, über Stock und Stein, durch den steilen Wald.



Irgendwann schafften wir es über die ersten Wolken.
Über eine Stunde kraxelten wir so nach oben. So langsam verließ Tony der Ehrgeiz wieder, während Gab so langsam davon gepackt wurde. Wir kamen schließlich an einer Serpentinenstraße an. Zivilisation! Dort kam uns ein älteres Paar entgegen, von der uns die Frau mit großer Hilfsbereitschaft, gebrochenem Englisch und Händen und Füßen erklärte, dass wir es zu einer der Wanderstationen geschafft hatten (Station 3, fanden wir später heraus) und dass es von dort noch ca. 3 Stunden aufstieg waren. Dass es sich aber sehr lohnen würde! Doch wir waren völlig verschwitzt, unpassend gekleidet und Tony's Ehrgeiz ging nun gegen Null, also entschieden wir uns, den Serpentinen wieder hinunter zu folgen.



Auf dem Weg begegneten wir ein paar Kraftfahrern, von denen einer extra anhielt, um uns (mit einem Mix aus Japanisch, Händen und Füßen) dafür zu gratulieren, dass wir es so weit hoch geschafft haben.
Wieder am See angekommen, waren wir diesmal diejenigen, die nicht mehr in den rappelvollen Bus gepasst haben und mussten auf den nächsten Bus warten. Da wir noch ein bisschen Zeit hatten, bevor Scout uns vom Bahnhof Nikko abholen würde, wollten wir eigentlich nach Akechidaira, wo es eine Seilbahn gab, die wir ebenfalls mit unserem Multipass umsonst benutzen konnten. Auf dem Hinweg waren wir daran vorbei gefahren. Doch auf dem Rückweg stellte sich heraus, dass der Bus in die umgekehrte Richtung ein bisschen anders fährt. Bei diesen krassen Serpentinen macht das auch durchaus Sinn, nur Einbahnstraßen zu Bauen. 

So landeten wir nie in Akechidaira, aber das war auch nicht so schlimm. Erschöpfung und Hunger wurde mit der Zeit immer wichtiger.
Wieder im "Zentrum" von Nikko angekommen informierten wir uns kurz im Netz und suchten uns ein Ramen-Restaurant aus.

(Nikko hat schicke Straßenbeleuchtung:)

Wir saßen in einer Ecke mit Tatami-Matten und niedrigem Tisch, traditionell japanisch. Gab probierte nach dem Tee zudem zum ersten Mal Calpis und hat es für gut befunden.


Kurz darauf holte Scout uns ab und Tony bestellte sich nochmal eine von seinen tollen Gemüsesuppen, der Appetit war nunmal groß. Wir guckten uns eine Karte an und stellten fest, dass der Aufstieg des Nantai-san die schwierigste Wanderroute in der Gegend ist. :P

Den restlichen Abend genossen wir in der kleinen Gemeinschaft am Fluss. Wir schauten UFC an der Leinwand, tranken viel Sake und unterhielten uns gut bis spät in die Nacht.







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