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Rewind: Ir(r)land Kapitel 2: Galway.... mal wieder.

Sooooo wieder Zeit für einen kleinen Blogeintrag. Wie ihr wisst, war ich wieder für ein paar Tage in Galway. Ich fühl mich ein bisschen in der Zeit zurückversetzt und möchte diesen kleinen Abschnitt meiner Reise nur ungern mit meinen Erfahrungen in Athenry in Verbindung bringen, deswegen ist dieser Eintrag wieder unter Kapitel 2 verzeichnet.... mir ist einfach danach^^ Leider lässt Francis mich nicht in Ruhe und nervt mich weiterhin mit e-mails, vor allem seit er erfahren hat, dass ich Leonie getroffen habe. Der macht's einem wirklich schwer, sich wieder auf die positive Seite des Reisens zu schlagen.... -.-
Wie auch immer, ich bin gerade in einem Hostel in Ennis. Die machen bald dicht wegen der Off-Season, also habe ich Glück, dass ich noch ein Zimmer gekriegt hab. Hab es auch ganz für mich allein, mit eigenem Badezimmer, sogar mit Blick auf den Fergus River, einem Balkon und Frühstück inklusive... für nur 9 Euro pro Nacht^^ Hammer cool. Ich werde erst so gegen Freitag oder Samstag über Ennis schreiben und es dann als Kapitel 4 bezeichnen. Warum? Weil ich schwer bezweifle für meine letzten 2 Wochen hier noch einen Host zu finden. Ich mach also das beste draus und mache eine Hitchhike-Städtetour durch den Süden Irlands bis Egle hier ankommt. Ich weiß noch nicht wo ich als nächstes hin fahren werde, aber insgesamt bezeichne ich diese Städtetour einfach mal als Kapitel 4 ^^
Der Blog hilft mir mit den Kapiteln so mehr oder minder meine Erfahrungen zu sortieren und zu verarbeiten, da isses ganz gut wenn das ganze etwas System hat (System ist sowieso etwas, was man in Irland einfach nicht findet^^) - Für mich haben die Kapitel immer gewisse Themen, die sie für mich symbolisieren:

Kapitel 1: Friede, Freude, Einfachheit in Wicklow
Kapitel 2: Zielloses Reisen an der Westküste Irlands; Verloren sein und das beste aus 
                  Ungewissheit machen
Kapitel 3: Un-epic Fail in Athenry
Kapitel 4: Hitchhike-Städtetour
Kapitel 5: Roadtrip mit Egle und Anna

Nun denn, was habe ich die Tage so in Galway getrieben? Naja, abgesehen davon, dass ich Leonie begegnet bin, traf ich auch Sarah und Leslie wieder - sie hatten immernoch keinen neuen Host gefunden. Wir taten uns alle zusammen und das Hostel war so freundlich uns ein privates 4er-Zimmer zu geben. Schon cool.
Die erste Nacht haben wir im wesentlichen nur mit gammeln verbracht xP Ich hab weiter Breaking Bad geguckt und ganz fürchterlich und angespannt geschlafen.... wirklich, richtig, schlimm-fürchterlich. Folglich hatte ich am Montag also auch richtig miese Laune und ich habe beschlossen, dass ich von Galway einfach genug gesehen habe. Ich wollte mir was gutes tun, und das beste was ich (neben leckeren Nudeln und nem Kakao) für mich tun kann, ist, wieder deutlich mehr umher zu kommen. Und Natur zu sehen, unbedingt.
An sich war in Galway wunderbares Wetter, bis auf eine einzige, dunkelgraue Wolke die wirklich die GANZE Zeit über meinem Kopf schwebte und auf mich herabregnete... ich fühlte mich echt verarscht von dem Wetter xP Ich wollte ins Museum gehen aber das war geschlossen. Na klar. Auf dem Weg dahin bin ich auch Cat, meiner alten Couchsurf-Gastgeberin begegnet, als sie auf der Straße Ukulele spielte. Wir machten aus, uns Abends wieder zu treffen und in einen Pub zu gehen. Ich wanderte also einige Stunden ziellos durch die Stadt, ging irgendwann einkaufen und um 19 Uhr stand ich dann wieder in der Fußgängerzone -  eine halbe Stunde lang, ohne dass jemand kam. Stellte sich heraus dass ich auf facebook ne Nachricht gekriegt hab, dass das doch nix wird, diese aber nich rechtzeitig gesehen hab. Stattdessen hörte ich eine halbe Stunde lang einer richtig guten Straßenmusikantin zu, einer jungen Frau mit rasiertem Kopf, die u.a. Knocking on Heavensdoor und Halleluja auf ihrer Gitarre zum besten gab und dazu sang. Irgendwie passte das, und das rumstehen und warten besserte meine Laune sogar um einiges.
Ich ging wieder zurück zum Hostel und verbrachte den Rest des Abends damit, mit den Mädels Karten zu spielen.

Am nächsten Tag ging es mir wieder bei weitem besser. Ich machte mich mit Sarah zusammen auf einen langen Spaziergang an der Promenade von Galway entlang, einer der längsten Promenaden Europas. Und wir latschten sie auch über 3 Stunden. Wir wollten unbedingt Galways Strände sehen weil sie uns als echt schön angpriesen wurden - ich fand die nu nich so eindrucksvoll xD Aber die ganze frische Seeluft war es wert und es war auch schön ein bisschen aus der Innenstadt heraus zu kommen.



Bootswracks am Hafen bei Ebbe.... das letzte Mal als ich die gesehen hab standen die unter Wasser

Die Flut kommt...




Ein weiteres Bild von Sarah dass einen Vogel von Hinten zeigt (das andere Bild ist die fliegende Krähe bei den Cliffs of Moher). Sie hatte spontan die Idee ein Album zu machen, natürlich mit dem Namen: "Tiere von Hinten". Ich bezweifle ja dass das ein optimaler Titel ist... xD

Danach waren wir noch ein bisschen shoppen....

In nem Kleider-Geschäft gesichtet.... fand ich clever^^

hachja.... die Freuden ulkiger Brillen. (rechts: Sarah, mitte: Leslie, links: ..... ich!!!)

.... und zum x-ten Mal den kleinen Weihnachtsmarkt in Galway besuchen. Weihnachtsmärkte sind in Irland eher ungewöhnlich, es ist also eher "kontinentale Kultur", die man hier erlebt. Französische Süßigkeiten-Stände, Italienischer Kaffee, Deutsche Glühwein-Buden usw. Ich freu mich auf Weihnachten zuhause :>


Am Abend dann kam ein sehr interessantes Erlebnis. Dienstags ist im Roisin Dubh Pub in Galway immer die sogenannte "Silent Disco". Sie war auch der Grund weshalb ich überhaupt so lange in Galway geblieben bin, ich wollte das mal mit eigenen Augen sehen^^ Was geht da also ab?
In der Silent Disco kriegt man, wenn man rein geht, Funk-Kopfhörer in die Hand gedrückt. Man kann sie an- und aus schalten, die Lautstärke selber regeln und zwischen zwei Kanälen wählen. Vorne stehen zwei verschiedene DJ's und über ihnen sind zwei verschiedene Bildschirme mit Musikvideos. Man kommt in den Raum und alles tanzt und hüpft und geht übelst ab... in aller Stille^^ Und hin und wieder fangen alle gleichzeitig an zu singen oder zu johlen. Man legt die Kopfhörer an und schon ist man mitten drin.
Die zwei Musik-Kanäle spielen unterschiedlichste Musik ab, so dass du immer das hören kannst, worauf du Bock hast. Genre-Technisch geht es völlig quer-beet, zb. läuft auf Kanal A mal "Blur - Song 2" und auf dem Kanal B gleichzeitig irgendwas von Jay Z oder so. Egal worauf man steht, alle gehen zusammen ab, selbst wenn sie nicht das selbe hören. Wenn man quatschen will, kann man die Kopfhörer einfach ablegen und muss sich nicht anbrüllen. Oder wenn man grad keinen Bock auf beide Lieder hat, kann man den Leuten beim Singen zuhören, was auch recht cool ist^^
Was mir am meisten gefallen hat, ist das Gefühl das dieses Konzept irgendwie in mir ausgelöst hat. Es ist ein bisschen so gewesen, als wär ich allein zuhaus mit Kopfhörern auf und ich kann tanzen und singen so doof und so schief und so laut wie ich will, ohne dass es jemanden kratzt. Nur dass man eben ganz viele Leute um sich herum hat, die genau das selbe machen. Es hat mir also wirklich unheimlich viel Spaß gemacht^^


Und eine Sache muss ich zugeben... ich hätte nie geahnt, wie viel wahnsinns Spaß es machen kann, in einem Club gemeinsam gottverdammt Gangam-Style zu tanzen xDDDD Ernsthaft.


Cheeriozadoodle!
Gab

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Ir(r)land Kapitel 3: Athenry - Gespalten und Paranoid

Hey Leute. Sorry dass ich wieder so lange nicht mehr geschrieben habe. Ich habe heute meinen neuen Host Francis fluchtartig verlassen und bin jetzt wieder in Galway. Jeder der auf lange Reisen geht, macht früher oder später auch mal schlechte, verunsichernde Erfahrungen. Und diesmal ist auch meine Zeit dafür gekommen.

Ich kam am Montag zum "The Croft", wie der kleine Hof hieß, in dem Francis alleine mit seinen Tieren wohnt. Diese habe ich auch gleich übelst ins Herz geschlossen. 3 Katzen: Lulu, Kiwi und Shi-Og (Gälisch: Fee), ein Pony namens Flicka und ein Esel namens Kassie.
Lulu, die älteste Katze, war immer grummelig und schlecht gelaunt, und erbarmte sich lediglich dann eines blickes, wenn ich ein bisschen Schinken für sie in der Hand hielt. Und von Kiwi hab ich leider kein Foto, aber er war ein echter Rabauke. Der hat die andern Katzen immer übelst gemobbt und ihnen das Essen geklaut xP Shi-Og hingegen war richtig richtig cool. Meistens war sie alleine im Hof oder in ihrem Plätzchen im unbeheizten Flur, aber jeden Abend kam sie dann doch auf meinen Schoß um gestreichelt zu werden, jeden Abend versuchte sie auf unterschiedlichste Weisen, sich in mein Bettchen zu schleichen und immer wenn ich in der Küche stand, war sie da und maunzte nach nem Snack.

Lulu
Shi-Og

Die beiden Ladies im Stall waren ebenfalls ziemlich cool. Flicka ist ein kleiner Panzer von einem Pony. Sie mochte es nicht, gebürstet zu werden, ließ sich nix sagen, weder von Menschen noch von der wesentlich größeren Kassie, und war auch ansonsten ein sehr eigensinniger Punk. Wenn man sie dann aber mit der Hand gefüttert hat, war sie unheimlich lieb und zärtlich und wenn sie sich freute, hob sie immer einen Huf in die Höhe wie ein kleines Mädchen^^ Aber ich muss sagen, Kassie is mir noch mehr ans Herz gewachsen. Die junge Esel-Dame, die erst relativ hochnäsig wirkt, ist unter Ponys aufgewachsen und hält sich wahrscheinlich selbst für eins. Aber sie is bei weitem nich so wild. Sie ist immer sofort da, wenn man in die Nähe der Koppel kommt, lief immer brav an meiner Seite, wenn ich auf dem Feld war und wurde unheimlich gern gebürstet. Ich gab den beiden jeden Morgen Äpfel zum Naschen und jeden Abend ne Portion Pferde-Müsli, was sie besonders gern mochten. Ich werde sie vermissen...


Links: Flicka, Rechts: Kassie
Die Tiere waren echt was tolles am Croft. Was anderes tolles war, dass Francis mir jeden Tag Gälisch beibrachte. Nich so Phrasen zum auswendiglernen, sondern Grammatik und grundsätzlichen Satzbau. Mittlerweile kann ich bereits mehr Gälisch sprechen als - wie Francis sagt - der Durchschnitts-Ire. Hab auch ein Lernheft und werde weiter daran arbeiten^^
Außerdem ist Francis Künstler, Musiker, Fotograf und Produzent in einer Person, das heißt er konnte einem immer unheimlich viel interessantes Zeug dazu erzählen und es war immer cool, von ihm was darüber zu lernen, oder ihm im Studio bei Aufnahmen zuzusehen, wenn mal ein Sänger vorbeikam für ne CD. Hin und wieder griff er sich auch einfach die Gitarre und spielte und sang Beatles-Songs, während ich Abwasch machte. Und als er neues Fotografie-Equipment bekam, haben wir es gleich zusammen ausgetestet, und ich bekam nen gratis Fotoshoot. Es hat mir wirklich enorm Spaß gemacht.
Die Waffe in meiner Hand ist eine original Requisite aus MadMax. Wurde von Mel Gibson benutzt. Cool wa?

Die Arbeiten dort waren auch nicht sonderlich schwer. Im Prinzip musste man einfach nur Haus und Hof sauber halten. Francis machte es einem in der Tat nicht leicht, denn er ist einfach mal übelst unfähig, auch nur die geringste Ordnung zu halten (Beispiel von heute morgen: Ich koche gerade Porridge zum Frühstück und er stellt sich neben mich, dreht sich nur leicht zur Seite, schneidet sich die Fingernägel und lässt alles auf dem Boden liegen. Oder gestern, als er volle kanne in den Zucker gehustet hat, weil er es sich nie angewöhnt hat, sich die Hand vor den Mund zu halten..... und er hatte wirklich nen fürchterlich krassen Husten.) Er hat sich beschwert, dass seine früheren Helfer immer alles gesagt bekommen mussten und niemals von alleine auf die Idee kamen, dies oder das zu putzen. Kein Problem für mich, es hat mich nichmal sonderlich gestört, auch bis in meine Freizeit hinein die ein oder andere Aufgabe zu haben. Gar kein Ding.
Aber Francis war nunmal enorm intolerant gegenüber allem, was er nicht kannte oder verstand. So gab es bei uns jeden Tag exakt das selbe zum Essen. Porridge zum Frühstück, Butterbrot zum Mittag und immer den gleichen Fisch mit Kartoffeln und Erbsen zum Abend.
Und nun komme ich zum eigentlichen Problempunkt... der Kommunikation. Wenn ihr mich fragt, liebe Psychos, ich würde dem Francis ohne mit der Wimper zu zucken eine fette Borderline Diagnose geben. Und zwar eine von der wirklich schwer gespaltenen Sorte. Im einen Moment kommt man super gut mit ihm klar, im nächsten Moment überfährt er dich regelrecht mit irgendwelchen Vorwürfen. Dazu reicht das kleinste fitzelchen einer fremden Meinung, oder irgendetwas, was ihm nicht in den Kram passt. Zum Beispiel heute, als er mir erzählte, dass er Samstage nich mag weil seine Freunde Samstags ja immer unterwegs seien und er nich. Weil das aber alles recht alte, ulkige Männer sind meinte ich scherzhaft "Echt? Den Eindruck haben die aber nich auf mich gemacht." und auf einmal steht er auf und brüllt mich an wie ich es denn wagen kann so schlecht über seine Freunde zu reden (und ich schwöre bei Gott, das tut er selbst ununterbrochen, wenn sie nicht da sind!) und dass ich abfällig sei gegenüber alten Menschen und was nicht alles....
Über jeden Kleinkram konnte man sich mit ihm streiten, und nichtmal alle Höflichkeit und Besonnenheit der Welt hätte diese Diskussionen jemals lindern oder gar aufhalten können. Nicht einmal schweigen hilft, denn das lässt ihn wissen, dass man ja anderer Meinung ist. Mal um Beispiele zu nennen: er deklarierte, dass alle Familien mit Kindern in eigens dafür eingerichtete Häuser eingepfercht werden müssten, damit andere kinderlose Menschen nicht gestört würden. Oder dass Mütter mit Kindern kein recht auf eigene Parkplätze hätten, und wenn sie nicht in der Lage wären, ihre Kinder ruhig zu halten, sie sie gar nicht erst zeugen sollten..... Oder dass das beste Mittel gegen den Hunger in Afrika massenhafte Zwangs-Sterilisierung wäre, damit die sich nich mehr wie die Karnickel vermehren.... Wenn auch nur ein einziger Einwand von mir gekommen ist, BOOM ist er wieder ausgeflippt. Ich versuchte irgendwann, zu schweigen oder die gespräche frühzeitig zu verlassen, aber selbst das band er mir ne Stunde später auf die Nase. Dabei machte er immer so einen hochgestochenen Eindruck und befeuerte einen mit den schwachsinnigsten Argumenten in einem "elaboriertem Kostüm", ohne zu akzeptieren, dass sein gegenüber vllt nicht immer Bock hat, darüber ewige Ausführungen zu halten.
Am Donnerstag wollte er mich bereits rauswerfen, weil ich "wirklich IMMER gegen ihn" sei, bis ich meinte, wir seien doch einer Meinung über die Wohlfahrt von Tieren. Ich konnte bleiben und wir einigten uns, nicht mehr über Themen zu reden, über die wir uns eh zoffen. Aber das funktionierte nicht. Ich fühlte mich seitdem, als würde ich jedes Mal, wenn ich mit ihm Worte wechsel, über ein Minenfeld rennen. Und als würde er immer wieder absichtlich versuchen, mich stolpern zu lassen, indem er mir irritierende oder aggressive Fragen stellte. Wenn er ersteinmal anfing, hörte er niemals auf. Selbst darüber, dass er Messer und Gabel intelligenter findet als mit Stäbchen zu essen, konnte er diskutieren und einem in die Fresse schmieren, dass sich die Asiaten das gefälligst aneignen sollten.
Außerdem sprach er permanent über seine früheren Helfer, und wie scheiße die waren, insbesondere meine Vorgängerin Leonie. Dass sie sich geweigert hätte, seine Bettwäsche zu wechseln, grundlos ständig sauer auf ihn wäre, permanent telefoniert hätte und insgesamt ganz verrückt, unhöflich, wenn nicht sogar asozial gewesen wäre. Ich hatte meine Zweifel daran, aber die durfte ich nicht äußern, ohne wieder die seltsamsten Argumentationsketten zu riskieren.

Gestern Abend dann trieb er mich zur Weißglut. Der Grundstein dafür wurde schon an meinem ersten Tag gelegt. Ich hole also ein bisschen weiter aus, und gehe damit in die Tiefen, was mich besonders gequält hat:

Am ersten Tag fragte er mich, ob er mich fotografieren dürfe. Das fand ich völlig in Ordnung, sagte aber halb aus unsicherheit, halb scherzhaft, dass es aber keine Nacktfotos sein dürften. Zwei Stunden später fragte er mich zunächst ruhig, warum ich ihm so eine Frage gestellt hatte, wo ich ihn doch gerade erst ein paar Stunden kannte. Nun... eben genau deshalb. Ich sagte zu ihm, wenn man so wie ich eine junge Frau alleine auf Reisen ist, die dann zu einem fremden allein lebenden Mann nach Hause kommt, halte ich es für wesentlich klüger, eher vorsichtig zu sein und alles genau abzuchecken. Ich war zu diesem Zeitpunkt schon verunsichert, denn obwohl ich wusste, dass an solcher Kunst eigentlich gar nichts auszusetzen ist, war sein lieblings Leinwand-Motiv nackte Frauen. Durchaus stilisiert, ein bisschen karikiert und gar nicht übel gemalt, aber irgendwie machte es mich trotzdem unsicher. Doch so ehrlich mit ihm zu sein war ein Fehler. Es folgte eine stundenlange Diskussion und Beschuldigungs-Tirade gegen mich, vor allem darüber, dass ich intolerant und zutiefst diskriminierend gegenüber allein lebenden Männern sei, nur weil ich Kunst von nackten Frauen sehe. Wie es denn sein kann, dass mein erster Gedanke, wenn er mich nach Fotos fragt, ist dass er ein perverser sei. Es tat mir dann auch Leid aber ich wollte ihm auch klarmachen dass ich bei meiner Vorsicht bleiben will und dass das auch gut so ist. Doch er hörte einfach nicht auf bis er mich doch tatsächlich zu Tränen trieb. Ich war einfach sehr tief in all den Fragen drin, weshalb ich denn so misstrauisch gegenüber anderen Menschen sei und irgendwann brachte er mich einfach völlig aus dem Konzept. Dann tat es auch ihm Leid, und wir beruhigten uns erst einmal für den Abend. Er machte mir klar, dass er mir keine Angst machen will und möchte, dass ich mich wohl fühle. Ich gab ihm also eine Chance und hoffte, dass die folgenden Tage auf gegenseitigem Verständnis und Respekt beruhen würden. Aber wie ihr schon wisst, wurde daraus nix.
Das war der Prolog.
Was passierte dann gestern Abend? Nun, wir hatten eigentlich nen sehr sehr chilligen Tag. Am Abend zuvor haben wir in gegenseitigem Einvernehmen beschlossen, dass ich gerne länger bleiben dürfe. Angesichts meiner finanziellen Lage und der Tatsache, dass es meistens ganz cool und angenehm mit Francis war, war mir das auch ganz recht. Meinen Samstag-Abend verbrachte ich dann gechillt vor dem Kamin und guckte mit Kopfhörern 2 Stunden lang Breaking Bad. Normalerweise saß Francis dann immer um die Ecke neben mir und machte seinen eigenen Kram am Computer. Dort verbringt er wirklich meistens seine Zeit. Irgendwann setzte er sich weg vom Computer und begann mich zu zeichnen, offensichtlich gelangweilt. Ich guckte meine Folge noch zuende und legte dann aus höflichkeit die Kopfhörer ab. Wir begannen zu quatschen, erst einmal ganz nett. Irgendwie überkam mich dann aber doch noch ein gewisser Erkältungs-Schwall und ich beschloss früher schlafen zu gehen. Eigentlich wollte ich die Gasheizung eine Stunde vor dem zu Bett gehen einschalten, aber da ich das vorher nicht so geplant hatte, schaltete ich sie eben erst um 23 Uhr an. Francis zeigte mir auch wie das geht und ich machte mir ne Wärmflasche. Dann kam er aber an und meinte, dass er auch pennen will und es nicht mag, wenn die Heizung dann an war. Ich meinte ok, dann machen wir sie aus, aber darauf konnte er es nicht belassen. Er beschuldigte mich, dass ich es in meinem Zimmer überhaupt warm haben will, bei Nacht. Wie unnötig das doch sei wenn man Decken hat. Ich könnte auch mit ihm in seinem Zimmer pennen. Dieser Satz, den er später als Witz entschuldigte, war für mich regelrecht wie psychologischer Missbrauch, nach all den Stunden, in denen wir beredet haben, wie paranoid ich bin und sein darf. All das brach wieder in mir aus. Außerdem hatte ich bereits das Fotoshooting mit ihm gehabt. Er hatte sich an dem Shooting äußerst professionell, cool und freundlich verhalten, also hatte ich eingewilligt, Fotos von meinem Dekoltee mit dem Motten-Tattoo machen zu lassen. Sogar mit Bikini, aber nicht ohne Hose und Mantel darüber. Jetzt, nach diesem Satz, war dieser Gedanke für mich fürchterlich bitter, auch wenn ich immernoch nicht glaube, dass er zweideutige Hintergründe hatte. Aber ein bisschen mehr Sensibilität von seiner Seite hätte wirklich geholfen.
Dann beschuldigte er mich, fast simultan, dass ich total asozial sei, weil ich die letzten zwei Stunden am Laptop gehangen hab. Nach einer Woche der nervlichen Überlastung hat mich das völlig entrüstet. Dass das doch meine Freizeit sei und ich mit der doch machen könne was ich will, habe ich gesagt, dass ich ein recht auf Privatheit habe, dass ich nunmal nicht ständig reden will und dass das anstrengend ist. Ich arbeite doch den ganzen Tag für ihn, was will er denn NOCH? Doch er hörte nicht auf, begann damit, dass ich hier ein Arbeiter sei und in seinem Haus auch seine Regeln herrschten und schließlich rastete ich aus. Ich verließ den Raum und brüllte ihm noch zu, dass ich nur ein einziges Mal gottverdammt in Frieden gelassen werden will.

Am nächsten Morgen bereitete ich das Frühstück vor und wir hatten ein längeres Gespräch. Ich erzählte ihm wie ich mich fühle und er gab sich sichtlich Mühe, mich nicht zu unterbrechen. Als ich mich dann aber nicht auf Verlangen bei ihm fürs Brüllen entschuldigen wollte, sagte er, dass ich dann ja das Haus einfach verlassen könnte. Das war mir ganz recht, denn das hatte ich zu diesem Zeitpunkt ohnehin vor. Ich meinte zu ihm, dass ich, wenn ich mich entschuldigen will, auch wirklich der Meinung sein sollte, was unrechtes getan zu haben.

Ich packte also meine Sachen und brachte Kassie und Flicka noch einen kleinen Snack zum Abschied. Ich bemerkte gar nicht, dass Francis auch nach draußen gegangen war und mich von der Einfahrt aus beobachtete. Als ich zurück kam stellte sich heraus, dass der Kater Kiwi ihm ausversehen entflohen war (der sonst nur mit ner Leine rausgeführt wird) und wir verbrachten einige Zeit damit, Kiwi unter einem Auto hervor zu locken. Danach meinte er, sehr freundlich, dass er nicht möchte dass ich wieder hitchhike und mich daher komplett nach Galway fährt. Gut, das war in Ordnung. Doch als ich meine Sachen zum Auto brachte war da auf einmal ein streundender Hund, ein wunderschöner Husky. Der kam bei mir an und ich streichelte ihn eine Weile, aber kein Besitzer kam hinterher. Überhaupt war das seltsam weil Francis direkt an einer Hauptstraße wohnt. Der Hund hatte auch kein Namensschild. Mit hoher wahrscheinlichkeit war dieser Husky zuvor in einer guten Familie, wurde dann aber wohl von Zigeunern geklaut (wofür sie in Irland berüchtigt sind). Wir verbrachten einige Zeit damit, uns irgendwie einen Reim darauf zu machen un brachten den Hund dann in einen Schuppen. Francis wollte ihn, nachdem er mich nach Galway brachte, erst einmal zum Tierarzt bringen.
Wir unterhielten uns also die ganze Fahrt lang über Tiere und unsere Wege trennten sich in Frieden.

Und ratet mal wem ich hier im Hostel begegnet bin? Besagter Leonie, über die sich Francis stets extrem beschwert hatte. Wir haben ewig damit verbracht, uns über unsere Erlebnisse im Croft auszutauschen und es tut wirklich gut, nicht ganz allein damit zu sein. Auch dieser Blogeintrag ist mehr oder weniger eine Art des Ausheulens. Ich bin froh, nun weg zu sein denn jeder Tag, den ich mir diesen Stress angetan habe, war ein Tag zu viel für meinen Spaß am Reisen (durchaus super für mein Budget, aber das ist es nicht wert).

Cheerio, ich hoffe die nächste Zeit wird wieder besser.....

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Ir(r)land Kapitel 2: Doolin und die Cliffs of Moher


Nun hat's mich ebenfalls erwischt Leute: Ich bin übelst erkältet xP Aber das studenlange stehen im Regen war es wert.

Wie schon vorher erzählt, bin ich einem Mädchen aus Deutschland begegnet, namens Sarah. Und wir haben uns für das Wochenende vorgenommen, die Cliffs of Moher zu sehen (an alle Harry Potter Fans: Dort wurden auch Szenen aus dem 6ten Film gedreht. Die mit der Höhle wo Dumbledore und Harry hinfahren um nen Horkrux zu zerstören.)

Da wir aber beide recht mittellos sind, entschieden wir uns fürs hitchhiken. Erst einmal war es wirklich eine Tortur überhaupt aus Galway herauszukommen. Zwei Stunden lang standen wir bei 5° im November-Nieselregen, mit hunderten von Autos die an uns vorbei fuhren. Mittlerweile weiß ich, dass es in größeren Stadten wirklich viel schwerer ist, per Anhalter zu fahren. Irgendwann nahm uns endlich eine junge Frau nach Gort mit... stellte sich aber heraus, dass das nicht so wirklich der richtige Weg nach Doolin war, wo wir hin wollten. Immerhin waren wir aber raus aus diesem Großstadt-Effekt. Von dort an mussten wir nämlich nicht annähernd so lange auf den nächsten Fahrer warten. Wir kehrten ein Stück zurück, nach Kinvarra, und von dort aus ging es mitten durch die Pampa nach Kilfenora. Kilfenora war dann schließlich so weit am Arsch der Welt, dass uns schon das zweite vorbeikommende Auto mitnahm, nach kaum 5 Minuten. Es waren zwei Amerikanische Touristen, die auch nach Doolin wollten. Wir landeten in einem üüüüberaus komfortablem Hostel, hatten einen Raum für uns selbst und waren müde von einer eher nervenaufreibenden Reise durch County Clare (die auch nur deshalb so anstrengend war, weil sie so lange dauerte und es kalt war. Und, irgendwann, auch noch zappen-duster.)
Sarah hatte am Samstag geburtstag, also entschieden wir uns, in einem nahegelegenem Pub reinzufeiern.
Doolin ist nun aber wirklich der kleinste Ort gewesen, in dem ich bisher war xD Vllt 100 Einwohner und zwei Pubs, ausgebreitet über vllt 3-4 Kilometer pure Dunkelheit, an einer Landstraße, die auch nicht mehr war als ein dünner Streifen Asphalt zwischen Schaafs-Weiden^^ Dafür hat Doolin aber ein florierendes Touristengeschäft. Zumindest im Sommer. Jetzt im November, waren wir so gut wie allein.
Wir gingen also mit Taschenlampen die Straße entlang, bis wir endlich auf's O'Connels stießen. Und da drinnen, nun, da war wirklich das pure irische Leben los. Ich glaube wir haben an diesem einen Abend wirklich jeden einzelnen Dooliner kennen gelernt xD So viele Leute waren dort, vor allem ältere, und haben Musik gemacht und getanzt und waren unheimlich irisch^^
Da ich schon eine aufkommende Erkältung spürte, bestellte ich mir auch ein unheimlich irisches Erkältungs-Heilmittelchen: Heißen Whiskey. Oder genauer gesagt, Whiskey mit heißem Wasser, Zucker, Zitrone und Gewürzen. Hammer gut!
Die hatten da gerade irgend ein Event wegen einer Spendensammlung, daher waren auch so viele Leute da. Und im Laufe des Abends wurden sogar gratis Snacks verteilt^^ Und damit meinte ich Brötchen mit Lachs und heiße Hühnchenschenkel und Würstchen. Und um Mitternacht sangen alle Leute im Raum einen Geburtstagssong für Sarah.

Am nächsten Tag machten wir uns auf eine weitere Fahrradtour, diesmal zu den Cliffs of Moher und rund um die Burren Landschaft. Verdammt bergig, verdammt anstrengend, aber zum Glück sind Sarah und Ich beide völlig sportfaule, beinmuskelfreie Fahrradmuffel, das heißt wir mussten einander nix beweisen und hatten einen allgemeinen Konsens, wenn es zu steil bergauf ging, zu schieben^^ Wir hatten tatsächlich recht viel Spaß daran.
Der wohl belebteste Teil von Doolin. Glaubt mir, mehr Häuser als auf diesem Bild gibt es da nirgendwo sonst xD




(PS: Da ganz hinten links, das bin ich! xD Auf nem Fahhrad! Unglaublich oder?)

:)


Zwei Stunden verbrachten wir dann an den Cliffs of Moher. Es war recht eindrucksvoll, aber leider bei weitem nicht so friedlich wie die anderen Klippen, die ich bisher gesehen habe. Warum? Es war völlig Touristenüberlaufen. Aber je weiter man an den Klippen entlang lief, desto ungemütlicher und windiger wurde es. Somit gab es auch immer weniger Menschen, aber irgendwann war es dann auch uns zu windig (man konnte sich tatsächlich kaum halten).
Coole Bilder gab es auf jeden Fall (Sarah hat die Fotos gemacht, sie hat ne Spiegelreflex<3)

Die Cliffs of Moher, im Groben. Die winzigen weißen Punkte sind Vögel. Und links oben auf den Klippen kann man Menschen sehen.

Noch schöner als das ganze sind die Details....

Ich nehme an, es ist recht naheliegend, sich von den Cliffs of Moher runterzustürzen, wenn man sich nach allen Regeln der Kunst umbringen will xD*hust*  ich musste lachen als ich das gesehen hab. Hab ich nen sehr schwarzen Humor?

Dieses Bild mag ich besonders. Dieses Wasser ist Gicht, was volle kanne in diese Biegung reinknallt und nach oben gefeuert wird. Ihr habt ja gesehen, wie hoch die Klippen sind (gut 300 meter). Der starke Aufwind, der diesen Ort auch zu einem Paradies für Vögel macht, treibt die Tropfen weiter hinauf bis an den Rand. So sieht es dann am Ende aus, als würde es permanent nach oben regnen. Ich war fasziniert von dem Anblick.

Dies war eine sehr unterhaltsame Krähe, die über unseren Köpfen die erstaunlichsten Kapriolen geflogen ist. Tolles Foto von ihr. Pure Freiheit im Flug. Ein bissl Photoshop und das Bild ist richtig coole Kunst.
Naja danach fuhren wir (endlich) bergab in ein weiteres Dorf und aßen richtig tolle Fish'n Chips. Danach wollten wir uns auf den Rückweg machen, allerdings wird es zurzeit schon gegen hallb 5 dunkel. Und unsere Dynamos funktionierten nicht. Und es war noch ziemlich weit nach Hause. Wir hatten also eine sehr abenteuerliche Fahrt vor uns, bekleidet mit gelben reflektierenden Sicherheitswesten, Handy-Taschenlampen in der Hand und einer stockdunklen Straße mitten in den Steinhügeln des Burren vor uns. Aber wir haben es geschafft^^ und wir verbrachten den Rest des Abends sehr chillig mit einer ruhigen Flasche Wein.

Am nächsten Morgen versuchten wir, zu den Doolin-Caves zu hitchen. Aber wir stellten dort dann fest, dass uns der Eintritt mit 13 Euro dann doch zu teuer ist. Nach einer halben Stunde auf einer leeren Landstraße mitten im Nirgendwo, einer ansonsten recht chilligen Hitchhiking-Rückfahrt nach Galway und einem sehr anstrengenden Tag mit meiner Erkältung befinde ich mich seit heute in Athenry, bei meinem neuen Host Francis. (hihi, ich kann unheimlich lange Sätze bilden xD Quaaalen, quaaaaalen für alle! xD). Ich denke, ich kann hier erst einmal für eine Weile bleiben, und habe mich schon mit den drei Katzen Lulu, Kiwi und Shi-Ogh, sowie mit dem Esel Kassie und dem Pony Flicka angefreundet. Francis ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse und besitzt ein Equipment-Paradies für jeden Künstler, Musiker und Fotografen, denn er betreibt alles davon für seinen Lebensunterhalt. Is schon ganz schön cool.

Ich werde euch in ein paar Tagen schreiben, wie mein Alltag hier wohl so abläuft. Bis jetzt erfreu ich mich erst einmal an einem Funken Gewissheit für die nächsten paar Tage.

Cheerio!

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Ir(r)land Kapitel 2 - Galway - Stadt der verlorenen Kinder

Hey Leute, tut mir Leid dass ich so lange nicht geschrieben hab. Ich hab auf Fotos gewartet, aber bis ich die kriege, vergeht vermutlich noch ne lange Zeit. Also schreibe ich euch jetzt und coole Fotos/Videos werden evtl nachgereicht ;)

Was ihr schonmal wisst, ist dass ich letzten Freitag in Galway angekommen bin. Seit dem verbringe ich jeden Tag aufs neue damit, mir eine nächste Schlafstätte aufzutreiben, und bisher läuft das ganz gut.
Mein Teilzeit-Zuhause in dieser Zeit war das Snoozles Hostel in Galway... das erste, auf das ich bei meinem Eintreffen hier gestoßen bin und tatsächlich auch eins der Besten. Ich schlafe hier zumeist im gemischten Schlaafsaal mit 10 Betten und habe mir angewöhnt, mir mit meinem tollen Captein-Mantel und anderem Zeugs eine blickdichte Wand um mein Bettchen herum zu bauen... eine regelrechte Wuthöhle^^ Und noch nie habe ich Oropax mehr zu schätzen gewusst... wahrlich, Frieden in Zäpfchengröße. Ein mal ist mir einer von denen mitten in der Nacht aus dem Ohr gefallen, und prompt hörte ich im selben moment gleich neben mir einen Kerl lautstark furzen.
"NEIIN DAS WILL ICH NICHT WISSEN!!! WO SIND MEINE OROPAX?!?! WOOOO?!?!?!"
so könnt ihr euch meinen völlig nachvollziehbaren Gedankengang dazu in etwa vorstellen^^


Ein Problem hat das snoozles allerdings: Am Wochenende sind die Preise schier unbezahlbar und zumeist sind alle Betten ausgebucht. Liegt wahrscheinlich daran, dass alle möglichen Jugendlichen an Wochenenden nach Galway pilgern, denn so sieht es dann überall in dieser Stadt aus. Ich war also letzten Samstag mit dem Problem konfrontiert, 35 Euro für eine Nacht im snoozles zahlen zu müssen, da es bis auf nen teuren Privatraum ausgebucht war, oder 25 Euro wenn ich ins billigste Schabracken-Hostel gewechselt wäre..... Und die Lösung dieses Problems steckte in einer geradezu schicksalhaften Begegnung. Beim Frühstück unterhielt ich mich mit einigen Gästen des Hostels, darunter eine Amerikanerin aus Kentucky, namens Laura. Sie meinte, sie hätte die Nacht im Hostel schon gebucht, würde sie aber wahrscheinlich nicht hier sondern in Ennis verbringen, wo gerade ein Traditional Music Festival stattfand. Sie wollte dort die Nacht durchmachen und hat mir angeboten, einfach in ihrem Bett zu pennen, das hätte aber einiges an Problemen mit meinem Check-Out gegeben. Angesichts dessen, dass eine Busfahrt nach Ennis und zurück nur etwa die Hälfte einer Nacht in Galway kosten würde, sagte ich kurzerhand, dass ich sie eben begleiten würde. Die Sache mit dem Festival klang ohnehin verdammt interessant. Bereut habe ich diese Entscheidung nicht und vor uns lagen 18 Stunden musikalischen Overloads.

Das Trad Festival war kein Festival, wie man sich das typischerweise in einer kleinen Stadt vorstellen würde. Es gab keine Parade oder ähnliches. Viel mehr stellten mehrere Pubs in der Stadt Musikern aus aller Welt ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, damit sie in relativ großen Gruppen jammen konnten. Berühmte Größen der Traditionellen Irischen Musik waren ebenso vertreten wie junge Collegekids, die mit ihren Fideln und Trommeln ankamen. Jung und alt schloss sich zusammen und musizierte... stundenlang... in Pubs und Konzerthallen und Hotels in der ganzen Stadt.


Laura und ich begegneten dort einer Gruppe Vollblut-Musiker aus Portugal, die uns mit Portugiesischem Käse, jede Menge Guinness (tatsächlich musste ich den ganzen Abend über keinen Cent für Getränke ausgeben), Kaffee (ich war ja sooo aufgedreht! *hust*) und einer Einladung nach Portugal versorgten. Und Lustig waren sie auch noch xD Nachdem die Pubs um 2 Uhr morgens schlossen verlagerte sich die Party zu einem Hotel am Stadtrand, wo noch bis 6 Uhr morgens gefeiert werden durfte. Laura und ich versuchten größtenteils, dem mittlerweile sehr betrunkenem Teil der Gästeschaft zu vermeiden und irgendwann gerieten wir in einen Nebenraum, wo ab etwa 3 Uhr morgens die letzten noch aktiven Musiker des Festivals zusammen jammten. Da ich den lieben langen Tag schon ein heftiges Bedürfnis nach einer Bodhrán hatte, begann ich irgendwann, auf einem Tisch mitzutrommeln. Und auf einmal war ich mitten drin. Ohne dass ich ne Ahnung hatte was ich tat, lenkte ich die Geschwindigkeit des gemeinsamen Gedudels und als ich einmal nen Fehler machte und abrupt aufhörte, verstanden die anderen das als Signal ebenfalls abrupt aufzuhören bis nur noch einer von ihnen übrig blieb, der dann das Solo zu spielen hatte xD Ich war ziemlich perplex, das könnt ihr mir glauben^^
Irgendwann gegen Ende des Abends widmeten sie mir das Lied "On yonder hill there sits a hare". Einer der älteren und bekannteren der Musiker, ein Herr aus Dublin namens Vincent Doherty (oder so ähnlich) sang die Strophen mit einer Stimme, die einem das Herz erschüttern ließ und die anderen Iren sangen dann den Refrain gemeinsam. (Versucht nicht, den song auf youtube zu finden. Diese Girly-Version ist einfach nur grottig gegen das, was ich gehört habe)

On yonder hill there sits a hare.
Full of worry, grief and care,
And o'er her lodgings it was bare.
Singing ho, brave boys, hi-ho.
And o'er her lodgings it was bare.
Singing ho, brave boys, hi-ho.

Now there came a huntsman riding by,
And on this poor hare he cast his eye,
And o'er the bogs halooed his dogs
Singing ho, brave boys, hi-ho.
And o'er the bogs halooed his dogs
Singing ho, brave boys, hi-ho.

And now she's gone from hill to hill.
All for the best dog to try his skill
And kill the poor hare that never done ill.
Singing ho, brave boys, hi-ho.
And kill the poor hare that never done ill.
Singing ho, brave boys, hi-ho.

And now she's turned and turned again,
Merrily as she trips the plain,
And may she live to run again.
Singing ho, brave boys, hi-ho.
And may she live to run again.
Singing ho, brave boys, hi-ho.
  
Nach alle dem, machten Laura und ich uns auf den Rückweg zum Busbahnhof,  und beobachteten den stillen Wandel einer sternklaren Nacht in einen Sonnenaufgang. Als wir zurück im snoozles waren konnte sie ins Bett, und ich musste noch bis 13 Uhr auf meinen Check-In warten. Das war es wert. Gemeinsam mit dem Tag in Dingle und dem Tag in Glendalough, reiht sich dieser Tag in Ennis zu meinen Top Erlebnissen auf meiner Irland-Reise ein.

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Also dann, wie ist Galway so? Ich hatte ja mittlerweile ein bisschen Zeit es zu erforschen (Achtung Egle, spoiler! xDDD Ich find es sowieso voll cool dass du und Anna mich besuchen kommt^^)
Tjaja, das erste, was ich gesehen habe, nachdem ich aus dem Snoozles an meinem ersten Tag heraus bin, war folgender Club:
Da könnt ihr einen drauf lassen, dass ich da herein musste! xD Allein schon, um Kojo davon zu berichten. Wie es sich vermuten lässt, ist das Coyotes eine American-Style Bar (oder zumindest das, was man gemeinhin für "amerikanisch" hält, laut Kentucky-Braut Laura). Ein fetter Bullenschädel über einer reich bestückten Bar, sexy Kellnerinnen, amerikanische Flaggen und Nummernschilder und sonstiges Texas-Ambiete Zeug. Ein paar Sachen fand ich ganz sympathisch, zb das Schild an der Eingangstür: "No trespassing! Violators will be shot! Survivors will be shot again!". Oder der erste Song den ich darin gehört habe, eine junge Frau auf der Bühne die "We're gonna die young, we're gonna die young!" sang... Eigentlich sollte am Sonntagabend dort ein Karaoke-Abend sein, es stellte sich aber mehr als so eine art Gesangs-Kontest für bereits eingeschriebene und vorbereitete Teilnehmer heraus. Schade, ich hätte sonst vllt gesungen^^ Und als der Gesangs-Kontest vorbei war, kam leider die übliche, Club/House-Musik, die man überall zu hören kriegt und die einem stets mächtig auf den Sack geht. Ganz nett, aber der eine Besuch hat wohl fürs erste gereicht.

 Natürlich betrieb ich die Tage auch einiges an Sight-Seeing. Hier werden coolerweise Gratis Führungen durch die Stadt angeboten, daher kann ich euch sogar ein bisschen was zu den Dingen, die ich gesehen habe, erzählen ;)

Das ist der Eyre Square, so ziemlich das Zentrum von Galway.

Dieses nun eine Bank beinhaltende Gebäude ist interessanter als es aussieht. Es ist die ehemalige Residenz einer der Herrschenden Familien von Galway im späten Mittelalter, den Lynches.... eines Tages brannte es in diesem Steinhaus und die Familie musste sich nach draußen retten. Es heißt, dass sich im obersten Stockwerk noch das jüngste Baby der reichen Händlerfamilie befand....

..... sie dachten, es wäre nicht mehr zu retten und die Mutter wurde aufgehalten, wieder ins Haus zu rennen. Doch dann kam, der Legende nach, auf einmal ein Affe aus dem Fenster - mit einem Baby im Arm. Der Affe brachte es sicher herunter und gab es der Mutter zurück. Dieser Geschichte soll zumindest diese mysteriöse Affenfigur an der Fassade erklären. Man hält es für wahrscheinlich, dass die Lynches einen Affen besaßen, denn sie handelten mit Spanien und Nordafrika. Natürlich musste ich das Hanu zuliebe dokumentieren^^

Doch die Lynch-Familie wird auch von wesentlich böseren Geschichten begleitet. Beispielsweise prägten sie den Begriff "jemanden lynchen". An diesem Fenster soll einer der Lynch-Oberhäupter Selbstjustiz begangen haben, indem er den Mörder seines Sohnes hier erhängte. Dieser Mörder war in Galway nämlich so gefürchtet und zugleich geliebt, dass das sonst keiner machen wollte. Der Schädel wurde aber vermutlich nachträglich hinzugefügt.

Ein weiteres Gebäude der Sagen und Legenden Galways ist diese Kirche. Christoph Columbus hat hier zuletzt gebetet, bevor er nach Amerika aufbrach (Galway ist der damals westlichste Hafen Europas gewesen). Die Iren behaupten, die Reise von St. Brendan hätte Columbus überhaupt erst zu seiner Reise inspiriert. St. Brendan war ein Mönch aus Dingle im 5ten Jahrhundert, dem nachgesagt wird, bis nach Amerika gereist zu sein.


Das hier sind die Überreste des ältesten Gebäudes in Galway, der "Hall of the Red Earl" aus dem 13. Jh. Sie entdeckten sie bei Bauarbeiten, und da Galwayer ziemlich Touristen-Fokussiert sind, haben sie die Grabungsstätte in eine Gläserne Halle gepackt, und geplante Gebäude kurzerhand darüber und drumherum gebaut, so dass jeder gucken kann.

Ein Überrest der Mauer um Galway herum, die Spanish Arch.

... und der dazugehörige Hafen. Wenn man weiter läuft kommt man an eine Promenade, und an dieser hab ich mir heute meinen ersten echten Sonnenuntergang in Irland UND im offenen Atlantik angesehen.

Galway wird durchtrennt von einem reißenden Fluss. Auf der anderen Seite waren früher die katholischen Iren angesiedelt, und die Dorfleute waren mit den englischen Galway-Stadtmenschen bitter verfeindet. Man kann von der Seite, wo die Iren gewohnt haben, einen hohen Kirchturm der Stadt sehen, witzigerweise gibt es aber auf der ihnen zugewandten Seite des Kirchturms keine Uhr. Man sagt, dass die Feindschaft so bitter war, dass die Galwayer den Irischen Dörflern nicht einmal die Zeit geben wollten (was bis heute im Irischen ein Sprichwort ist, wenn man jemandem nix gönnt).

Dass dieser Fluss so reißend ist, ist gewollt von den Galwayern, denn hier schwimmen in der richtigen Saison Lachse durch. Fischer stehen dann auf diesen Steinformationen im Fluss und fangen die Lachse ein, die bei ihrem Versuch, stromaufwärts zu schwimmen, oft durch die Luft springen.

Wo früher mal ein Gefängnis stand, steht jetzt eine Kathedrale. Recht modern, mit einem Altar nicht am Ende des Raumes, sondern in der Mitte.

Die Postkästen in Irland waren einst britisch, und als sie endlich ihre Unabhängigkeit gewannen, fanden sie es effizienter, die normalerweise roten Postkästen nicht zu ersetzen, sondern einfach patriotisch grün anzumalen. So ist es bis heute^^

Das, liebe Leute, ist die University of Galway. Wäre wohl ein verdammt cooler Ort zum studieren. Aber als ich so an dem Park vor diesem Gebäude entlang ging, wurde ich ziemlich Emo. Ich musste an die sonnigen Tage mit euch im Paradiespark denken und an die Tatsache, dass diese Zeiten nun, da wir so verschiedene Wege gehen, wahrscheinlich so nie wieder kommen werden. Nie wieder :/ Ohne euch ist studieren doch doof.....

Am Montag-Abend ging ich zu einem "Pub Crawl" Event. Das ist hier jeden Abend, aber Montags nur zum halben Preis ;) Ich hab 8 Euro bezahlt und bekam dafür in jeder Kneipe der Kneipentour einen Shot umsonst, und Getränke für billiger. Die Gesellschaft war cool und es gab auch lustige Trinkspiele, aber so wirklich ausgezahlt haben sich die 8 Euro letztenendes nicht, weil man sich ja trotzdem noch Getränke leisten musste, um was von den Vergünstigungen zu haben. Dies war mein erster Shot, ein "Baby Guinness". Kahlua als Basis und Baileys als der Schaum. Lecker.

Ein wirklich sehr treffendes Poster. In Galway wechselt das Wetter in wirklich eindrucksvoller Geschwindigkeit von Sonnenklar zu Platzregen, den ganzen Tag über.

Bei meiner verzweifelten Suche nach einer Bleibe kam ich endlich zu einer Zusage zum Couchsurfen. Ich bin jetzt gerade ebenfalls dort. Das ist tatsächlich meine dritte Nacht bei meiner Gastgeberin "Cat" und ihrer Musiker/Künstler/Filmstudenten-WG. Sie fragten mich, ob ich bei ihrem kleinen Film vllt auch eine Rolle spielen will. Und voila, war ich dabei und habe heute den lieben langen Tag an einem Set verbracht.

 
  

Ab morgen habe ich dann wieder das Problem, dass die Wochenend-Hostel Preise in Galway fürchterlich sind. Und ewig Couchsurfen kann ich ebenfalls nicht. Doch auch dieses mal wird mein Problem von einer Begegnung gelöst: Noch bevor ich aufbrach, nahm ich per e-mail Kontakt mit zwei anderen helpx-ern auf, die nach Irland wollten, Leslie aus Frankreich und Sarah aus Deutschland. Sie wollten genau wie ich zum Octupus Garden und bekamen genau wie ich, nur wenige Tage später, das selbe Problem. Denn auch sie wurden nur sehr kurzfristig benachrichtigt, dass das nix wird. Witzigerweise verschlug es sie danach ebenfalls nach Galway... und dann auch noch in das selbe Hostel xD Sarah erkannte meinen Namen auf einer Reispackung in der gemenschaftlichen Küche und fand mich. Seitdem verbringen wir immer mal wieder ein bisschen Zeit miteinander und motivieren uns gegenseitig, weil wir nicht die einzigen verlorenen Kinder von Galway sind. Abgesehen von uns 3 verlorenen Backpackern ist Galway sowieso eine Stadt voller junger Migranten. Man trifft so gut wie nie Leute, die Original aus Galway stammen und an dem Ort wo ich couchsurfe wird fast nur spanisch gesprochen.
However, Sarah und Ich wollten beide die Cliffs of Moher sehen, die Touristen-Bustour dort hin ist uns aber zu teuer. Wir haben also beschlossen, gemeinsam nach Doolin per Anhalter zu fahren, dort das Wochenende über zu bleiben und am Sonntag wieder zurück zu gehen. Leslie möchte allerdings leider nicht mitkommen. Also gut, diesmal also ein Abenteuer zu zweit. Morgen brechen wir auf.

Davon mal abgesehen habe ich noch eine gute Nachricht: Ich habe einen neuen Host gefunden. Am Montag hitchhike ich nach Athenry, zu einem älteren Musiker mit seinen Katzen und Ponys.... wir testen mal ne Woche lang aus wie gut wir klarkommen und dann kann ich vllt bleiben. Wäre cool :) Wünscht mir Glück!

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