RSS

Schottland. Kapitel 8: Auchenblae, Aberdeen & Stonehaven - Kleinkram und Zeug

Und weiter geht's im Blog-Marathon^^ Ich habe mich dann also in Auchenblae eingefunden, einem kleinen schottischen Dorf in den hügeligen Lowlands, relativ weit abseits der Straßen. Ich wohnte bei Amanda und Steve, einem kinderlosen Paar mit zwei tollen, nach Käse riechenden Shar-Pei Hunden und einer Katze. Die beiden sind ihr Leben lang viel gereist und haben sich erst vor wenigen Jahren wirklich niedergelassen. Seit einiger Zeit kauft Amanda nun in dem Dorf leerstehende Wohnungen, renoviert sie und vermietet sie. Ihr dabei zu helfen war dann auch mein hauptsächlicher Job. Ich hab ein Talent fürs Malen bewiesen, hab häufig stundenlang mit Hochdruckreinigern hantiert, und mich mit Amanda um jede Menge "Bit's and Pieces" gekümmert, also Kleinkram, denn die Wohnung war zu meiner Ankunft schon beinahe fertig. Auch Gärtnern durfte ich an sonnigen Tagen und habe dabei auch einiges gelernt. Endlich mal ein paar Pflanzen, die nicht gleich auf meine Berührung gestorben sind!^^
Die Arbeitsbedingungen bei Amanda waren wirklich chillig, denn ich musste nur an 3 Tagen die Woche überhaupt was tun, die anderen Tage hatte ich frei und Amanda und Steve waren äußerst hilfreich dabei, mir interessante Beschäftigungen zu suchen. Da Steve z.B. ein Kickboxen-Trainer ist und jedes Jahr auf Championships geht, hat er mich 2 Mal zu seinem abendlichen Training mitgenommen und dabei mein Interesse am Kickboxen geweckt^^ Beide Male war dies für mich auch mit einem Tagesausflug nach Aberdeen verbunden, während Steve bei der Arbeit war.

Aberdeen:

Irgendwas stimmte mit dieser Kirche nicht, aber beim vorbeigehen checkte ich einfach noch nicht, was es war... und dann sah ich ein schild....

... in der Kirche befand sich doch tatsächlich - von allen möglichen dingen auf der welt - ausgerechnet ein Casino xD Mein erster Gedanke war: "BABYLON!!! Ich bin in Babylon!!! O___O" Mir wurde später erzählt, dass es mehrere solche Casinos in Kirchen gibt, und auch Nightclubs. Echt bös, die Aberdeener xD

Auch ein interessantes Restaurant in einer Kirche hab ich dort gefunden. Es hatte an dem Tag ganz nette Angebote, also ging ich dort Abends auch mal essen^^ Drinnen stellte es sich als echt cooles Frankenstein/Hexen-artige Restaurant/Bar heraus^^ War echt gut!
Wieder eine Stadt mit Friedhof als Stadtpark-Ersatz^^

Und natürlich gab es auch einen eindrucksvollen Hafen :D Hab ne Weile im Maritimen Museum verbracht.

Ein weißtes College in der Innenstadt - echt schick. o_o

.... dieser.... Ohrwurm... >__<

Dieses Monument markierte einst den Mittelalterlichen Marktplatz von Aberdeen - ich habe es allerdings vor allem wegen dem Einhorn auf der Spitze fotografiert :D Einhörner ÜBERALL!!!
 Irgendwann beschloss ich, dass ich die Uni von Aberdeen sehen wollte. Dort sollte sich auch ein interessantes wissenschaftliches Museum befinden. Also wanderte ich bis zum Stadtrand.
Das Museum war leider zu, aber dennoch stellte sich die Uni als recht interessant heraus^^ Stadt ein Unigebäude zu bauen, haben die Aberdeener einfach ein altes Fischerdorf zur Uni benannt. Beispielsweise befindet sich der Lehrstuhl für Philosophie passenderweise in der alten Brauerei xD
Architektonisch ist es ganz interessant, denn je weiter man sich vom Zentrum des Dörfchens entfernt, desto moderner werden die Gebäude, schritt für schritt bis zu einem künstlerischen Glas-Kubus am Rand des Geländes^^ Wie ne Zeitreise.


Auf dem Rückweg von dieser Uni zurück ins Stadtzentrum hatte ich aber noch eine sehr unheimliche Begegnung. Mitten am Tag, mitten in der Stadt sah ich auf einmal eine Frau mit dem Gesicht nach unten auf dem Fußweg liegen. Zwei hilflos aussende Jugendliche standen daneben und hantierten mit ihren Handys. Erstaunlicherweise liefen unheimlich viele Leute einfach an der Szene vorbei und starrten bloß. Ich lief also hin und versuchte zu checken was los ist. Sie war so schlapp wie eine Leiche, da lief es mir schon kalt den Rücken runter. Ich drehte sie um und versuchte ihte Atmung zu prüfen, doch sie atmete nicht. Es hat nur wenige sekunden gedauert, in denen ich hilflos da hockte und versuchte, mir etwas einfallen zu lassen - wobei alles was ich vor einigen Jahren im Erste Hilfe Kurs der Fahrschule gelernt hatte, mir wild durch den Kopf wirbelte. Dann kamen auch schon zwei Polizisten vorbei und ich gab die Verantwortung gerne ab. Die Polizisten versuchten sie wach zu kriegen, doch sie rührte sich immernoch nicht. Und dann, plötzlich, als der eine Polizist schon angespannt aufgestanden war, zuckte sie mit dem Gesicht und fing wieder an zu atmen. Einfach so. Die Polizisten haben sich bei mir fürs anhalten bedankt und ich konnte meiner Wege gehen. Aber dennoch hat die Begegnung spuren hinterlassen. Ich habe mir jetzt jedenfalls fest vorgenommen, meine Erste Hilfe Kenntnisse nicht nur aufzufrischen, sondern auch auszuweiten. Ich wollte das eh schon ne weile lang machen, aber nun denk ich, je früher desto besser.

Den Rest meiner Zeit in Aberdeen verbrachte ich mit Iron Brew (dem krassen, süßen schottischen National-Getränk^^) und Kickboxen^^

Einen anderen Ausflug machte ich an einem Samstag zum Städtchen Stonehaven, dem Zuhause des berühmten frittierten Mars-Riegels, und ganz in der Nähe zum berühmten Dunnottar Castle, hier ne Luftaufnahme:



Das bedeutet für euch also noch eine weitere kleine Foto-Show^^ So ziemlich die letzte, eigentlich..... O__O Here it comes...

Stonehaven Stadtzentrum
Stonehaven Strand

Faszinierend filigrane Spuren im Sand......
Steine-Hüpfen in einer kleinen Flussmündung
Den Berg hoch, gibt es eine nette Aussicht auf den Hafen.
Ein Kriegsmonument auf einem Hügel, mit der Inschrift: "One by one death challenged them - one by one they smiled in his grim visage and refused to be dismayed."
Schoooottland Schottland über alles........ moment.... so war das nich xD
Dunnottar Castle:





Die Landschaft im Hintergrund sieht aus wie ein verschwindender Traum.....



Ein Zimmer dort wurde restauriert, damit man sehen kann, wie es früher mal ausgesehen haben mag^^

... und auf meinem Rückweg noch ein Blick zurück^^
Den Ausflug war es sowas von wert sag ich euch^^ Ich hätte dort gerne noch länger verbracht und im Gras gelegen, aber ich wollte mir noch etwas ganz bestimmtes zum Abendessen kaufen, bevor die Restaurants schließen....

TaTAAAAAAAA: Der original frittierte Mars-Riegel^^ LECKER!!!
An einem meiner freien Wochenenden wollte ich mich eigentlich in Edinburgh mit Hanu treffen, doch daraus wurde nix, und stattdessen bin ich nochmal Couchsurfen gegangen :) Ich begegnete einer intelligenten jungen Architektur-Studentin aus Bulgarien und wir verbrachten einen coolen Tag mit einander. Sie weckte mein reges Interesse für die Uni in Edinburgh und zeigte mir viel.^^ Wir waren außerdem indisch essen, in einer Szene-Bar einen trinken und später abends haben wir ganz fein in ihrer Wohnung Wein getrunken und uns unterhalten. *like a sir* :3

An meinen letzten Tagen kam ich noch dazu, bei einer alten Freundin von Amanda im Haus zu helfen, und wurde dafür sogar bezahlt!^^ Außerdem bekam ich von ihr ein Stück echten Tartan-Stoff mit Familienmuster :3 Daraus näh ich mir dann was feines!!!

Die Zeit verging unheimlich schnell, und schließlich saß ich dann im Bus, auf einer 18-Stündigen Reise in Richtung Canterbury^^ Dazu schreibe ich dann mehr, sobald ich von Hanu ein paar Videos gekriegt hab^^

Cheerio Leute! Ich bin auf den letzten Metern :3

  • Digg
  • Del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • RSS

Schottland. Kapitel 8: Inverness & Loch Ness - Days of a cold, blinding sun



Was auf Edinburgh folgte waren eine Hand voll wunderschöner, teilweise recht fauler Tage in Inverness. Mein Hostel befand sich in einer recht zwiellichtigen Gegend und mein erster, nächtlicher Spaziergang durch diese Stadt hatte für mich einen Hauch von Wahnsinn in den Straßen, ein bisschen wie in einer Lovecraft-Geschichte. Doch recht bald fühlte ich mich dort sehr heimelig. Die Bewohner des Hostels waren dort häufig auf lange Zeit da, weshalb es so eine Art kleine Familie war. Selbst die Besitzer wohnten da drin. Mein Zimmer war sauber und klein, und sehr kalt, aber das stört mich mittlerweile ja nich mehr. Überall liefen Phillipinos durch die Gänge (die als Zeitarbeiter in Schottland lebten und in diesem Hostel wohnten) und ich freundete mich schnell mit einigen Reisenden an. An einer der Wände in diesem Hostel prangte auch ein Spruch, der mir ein wissendes Lächeln hervorkitzeln konnte:

Tourists don't know where they have been.
Travelers don't know where they are going.

Ich verbrachte also weit mehr Zeit an diesem Örtchen, als ich ursprünglich geplant hatte. Aber bis auf eine Wanderung durch die Stadt und eine Tagestour nach Loch Ness gab es einfach nichts mehr, was mich reizte. Mein Bedürfnis nach Sightseeing war schon vor langer Zeit gesättigt worden und ich fühlte mich einfach nur noch... ja, irgendwie friedlich. Bedürfnislos.

Von den kleinen Touren die ich aber gemacht habe, zeige ich euch gerne ein paar Fotos. Ich bin für die neue Kamera wirklich sehr dankbar, das Zeigt sich hier echt gut^^

Was mir als erstes ins Auge fiel in Inverness: Der Victorianische Markt. Wirklich ein cooler kleiner Indoor Basar^^
.... mit coolen kleinen, sehr schottischen Bildern über jedem Laden xD
Es war ein schöner, kalter Tag, und ich verbrachte einige Zeit einfach nur mit ziellosem Schlendern. Schlißlich fand ich ein Museum und verbrachte dann dort die meiste Zeit des Tages. Aber ich genoss auch viel die Aussicht, von diesem Hügel aus.
Mit meiner Handykamera hätte ich diese beiden Häschen niemals fotografieren können xP Wären bloß verschommene Punkte auf dem Rasen gewesen. Übrigens, auf diesem Bild gucke ich bergab, nich gerade aus, aber das sieht iwie nich so aus xD
Die neueste Burg von Inverness. Da Inverness an einem strategisch entscheidenden Punkt schottlands liegt, und man auf diesem Hügel alles überblicken kann, wurde hier schon vor Anbeginn der Geschichtsschreibung stets um diesen Standort gekämpft, mit zahllosen Burgen die hier standen, und wieder niedergerissen wurden. Dieses Gebäude ist auf jeden Fall nich sehr alt.
Das National-Tier der Schotten ist - ohne scheiß - das Einhorn! xD Den Schotten war klar: das einzige Tier, das sich nicht zähmen lässt, ist das Einhorn. Sie fanden es also perfekt^^ So trifft man also in Schottland stets und überall auf Einhörner *-*


Nunja, so nahm ich dann an einem dieser Tage einen Bus richtung "Drumnadrochit". Loch Ness ist riesig. Ich bräuchte locker 2 volle Tage, vllt sogar mehr, um einmal drumherum zu wandern, dabei kann ich mittlerweile durchaus stattliche Strecken zurücklegen. Drumnadrochit ist ein kleines Städtchen so ziemlich an der Mitte des langgestreckten See's, und ganz in der Nähe des sehr szenischen Urquhart Castle. Der perfekte Startpunkt für eine Wanderung. Ich habe mir dabei als kleines, nebensächliches Ziel in den Kopf gesetzt, ein paar Steine aus dem Wasser von Loch Ness zu fischen... doch später stellte sich heraus, dass diese Aufgabe doch zu einer ziemlichen Herausforderung wurde....

Um Loch Ness herum befindet sich nichts als ruhiges, verschlafenes Farmland. Erstaunte mich eigentlich ein wenig.

Mein erster Blick auf den mächtigen See, in einer kleinen Bucht.

Urquhart Castle. Das Wasser ist so spiegelglatt gewesen, dass ich es geradezu hypnotisch fand. Als würde man in einen endlosen Raum hineingesogen werden.

Noch ein kleines Foto von mir für euch. Ihr müsst wissen, wenn man so unfotogen ist, wie ich, schneidet man bei spontanen Fotos beinahe reflexartig Grimassen. Anständig zu gucken erfordert da viel konzentration! Ich kann also nix dafür^^
Urquhart Castle zu finden war bloß ein kleiner 3-meilen Marsch, aber hinunter gehen kostete Eintritt. Auch der Fußweg endete dort. Also machte ich mich auf, weiter am See entlang zu laufen, auf der kleinen Landstraße, der Sonne entgegen, auf der Suche nach einer Stelle, an der ich zum See runter klettern konnte.


Zwischendurch ein kurzer Blick zurück...
 Nach einigen Stunden und mehreren Meilen stellte sich aber heraus, dass das ein schweres Unterfangen werden sollte. Alle Stellen, die flach genug zum herabsteigen waren, waren sorgfältig abgezäuntes Privatgelände. Ich meine ernsthaft sorgfältig, so gegen die ganzen lustigen und häufig halbstarken Touristen abgezäunt, doppelt und elektrisch und das ganze drum und dran. Alle anderen stellen waren furchtbar steil. Ich versuchte es einige Male, aber nach einigen Metern des Kletterns musste ich stets feststellen, dass es irgendwann doch zu senkrecht wurde, und es ging tief hinunter. Irgendwie war diese Unzugänglichkeit auch gut, denn am Straßenrand lag noch viele Meilen lang überall Touristenmüll. Besser hier oben als im See, dachte ich mir, doch ich suchte weiter. Als ich schon fast aufgeben wollte, und meilenweit entfernt von jeglicher Zivilisation war, fand ich endlich dann doch eine Stelle, an der man mit ein bisschen Klettern und Hangeln relativ sicher bis zum Seeufer kam. Yay^^

Der Ausblick des Erfolgs!^^
Ich hüpfte ein bisschen von Stein zu Stein durch's flache Wasser und als ich endlich zufrieden war, konnte ich endlich die Steine beschaffen, die für mich mittlerweile mehr wie Trophäen waren.
Ich verbrachte dann noch eine Weile am Seeufer und bestaunte die Szenerie.
Als ich mich auf den Rückweg machte, stellte ich blöderweise fest, dass der Sonnenuntergang doch etwas zu bald kommen wird. Es war zwar erst Nachmittag, aber ich hatte noch einen langen Rückweg vor mir. Ich beeilte mich, doch ich verpasste trotzdem meinen Bus und musste 2 Stunden warten. Zudem wurde es bitterkalt, sobald die Sonne untergegangen war. -14° erfuhr ich später. Ich fror mir einen ab und entschied mich, noch ein wenig durch Drumnadrochit zu wandern und den Vollmond zu bestaunen. Da stieß ich schließlich auf Nessie^^
... sie war wohl festgefroren :D
Ich hatte eine schöne Woche da oben^^ Mein nächstes Ziel war mein nächter Host, in einem Dorf namens Auchenblae. Und dazu gibt es im nächsten Blog dann mehr^^

Cheerio!

  • Digg
  • Del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • RSS

Schottland. Kapitel 8: Edinburgh - Rocky Horror Friedhofs-Spaß

Nun denn. Die Ereignisse, von denen ich euch nun berichten möchte, liegen nun etwa nen Monat zurück. Ich wollte zwar so schnell wie möglich aufholen, aber ich fürchte, ich bin wohl faul geworden ;D Und bald bin ich ja auch wieder in heimischen Gefilden.... dennoch schreibe ich mittlerweile diesen Blog nicht mehr nur für euch sondern auch für mich selbst, als Erinnerung. Ich werde das also nicht einfach unvollendet lassen xD

Meine Zeit in Kilgarvan endete mit einem herzlichen Abschied und einer langen Reise nach Norden, in Richtung Edinburgh (korrekt gesprochen übrigens: "Edinbrah"). Ich wollte ursprünglich eine Fähre nehmen, aber inklusive Busfahrt hätte ich da die komplette Nacht über fahren müssen, während ich nur 5 Euro im Vergleich mit einem Ryanair Flug gespart hätte. Ich erhob mich also wieder in die Lüfte.
Ich habe mich zuvor nicht im geringsten über Edinburgh informiert und wusste daher nicht, was mich erwartete. Als ich jedoch ankam und mich mit dem Bus dem Stadtzentrum näherte, ergriff mich pures Staunen. Die Szenerie der Stadt ist absolut einzigartig, atemberaubend. Die Stadt ist in eine von Vulkanismus geprägte Landschaft hinein gebaut - das heißt mitten in eine Landschaft von steilen, nah beieinander liegenden Hügeln und schroffen Klippen. Ich habe mir fast den Nacken ausgerenkt, bei dem Versuch, alles zu sehen als der Bus weit unten am Edinburgh Castle entlang fuhr. Das Schloss thront über der Stadt auf der ebenen Spitze des zentralen Vulkans, der schon lange nicht mehr aktiv ist. Von allen Seiten fallen steil schwarz-grüne Klippen herab. Überall im Tal drumherum stehen gotische Gebäude und Monumente. Beim Aussteigen aus dem Bus stellt man schnell Fest, dass die Stadt ganz besondert gebaut wurde: nicht so, als hätte man ein Tuch aus Häusern auf die Hügellandschaft gelegt, wie es üblich wäre, sondern als hätte man Wasser hinein gekippt, so dass die Häuser die die Zwischenräume zwischen den Hügeln ausfüllen, selbst Klippen bilden, in mehreren Lagen stehen. Man läuft dort durch die Straßen und denkt, man sei auf dem "Erdgeschoss" - dann geht man an einer Häuserwand vorbei und stellt fest, dass man eigentlich auf einer Brücke steht, mehr noch, dass sich unter einem noch weitere normale Gebäude befinden, Kirchen, Schulen, Uni-Gebäude. An jeder Ecke gibt es kleine Gänge, die mitten durch die Gebäude führen, geradeaus oder bergauf oder bergab; sie nennen sich "Closes" und sind wie Abkürzungen, wie Wurmlöcher zwischen den Straßen auf verschiedenen Höhen. Ein Haus, das so aussieht als hätte es drei Geschosse, kann in wirklichkeit auf der anderen, dir abgewandten Seite 5 Geschosse haben, weil es so an den Hügel gebaut ist und so weiter.
Kurz gesagt: Es erinnerte mich an dieses Berühmte M.C. Escher-Bild:

 So sehr ich meinen Orientierungssinn in den letzten Monaten auch trainiert habe, es wird euch wohl nicht wundern, dass ich mich in dieser Nacht zunächst einmal hoffnungslos verlaufen habe. Und das Hostel, das ich suchte, machte es mir auch nicht leichter, es war nämlich arg versteckt. Stellte sich heraus, dass ich mehrmals daran vorbei gelaufen war, bis ich schließlich in eine Bar ging wo man das Hostel für mich in Google suchte und man mir daher etwa in einem 10-meter Umkreis sagen konnte, wo es sein sollte. Und dennoch dauerte es eine Weile, bis ich es fand xD

Zur Verteidigung meiner Ehre: Versucht es selbst mal! Wo ist das Hostel in diesem Bild?
Naja. Am nächsten Tag schlenderte ich erst einmal durch die Straßen und stellte fest, dass sich an jeder Ecke außerdem nerdige Läden befanden xD Auch toll. Und ne Menge Studenten überall. Mir wurde schnell klar, dass ich Edinburgh nicht einfach blind erforschen kann, daher kam es mir sehr gelegen, dass es auch hier - so wie in Galway - gratis Touren hab. 3 Stunden verbrachte ich also in einer jungen Touristengruppe und lernte ne Menge interessantes Zeug über die Stadt. Ein Foto von der Gruppe wurde auch gemacht und online gestellt:

Die Kulisse ist übrigens eine Säule, die einst als Pranger diente. Kleinkriminelle nagelte man einfach durch das Ohrläppchen an den Stein. Dort mussten sie einen ganzen Tag verbringen, während die Einheimischen ihre Eimer und Pötte voller Exkremente über ihnen auskippten (Spülklos gab's ja damals nich). Wer sich allerdings mit Gewalt von seiner Pein losriss, war durch das von nun an verkrüppelte Ohr auf ewig markiert, als jemand, der seine Strafe nicht durchstehen kann, der sich der Gerechtigkeit nicht stellt. Schöner Ort für ein Foto^^
Ich beriesel euch mal ein bisschen mit hübschen Fotos von diesem kalten Tag.
Die Royal Mile. Das ist die Prachtstraße im Stadtzentrum, die zwischen Edinburgh Castle und dem Schloss verläuft, in dem die Queen wohnt wenn sie herkommt. Auf dieser Straße sieht alles iwie wichtig und historisch aus, und nicht umsonst ist alles hier auch Unesco geschützt.

Edinburgh Castle am Tag.


Eine der Kathedralen in Edinburgh, in der einst eine der größten schottischen Rebellionen ausgebrochen ist, nachdem eine junge Frau einen Gebetshocker an den Kopf eines Bischof's geworfen hat.

Aber zwei Dinge weckten ganz besonders mein Interesse: Die Friedhöfe/Geistergeschichten und Harry Potter.
Zum einen gilt Edinburgh als die am meisten von paranormaler Aktivität heimgesuchte Stadt Europas (es gibt sogar eine Doktoranden-Stelle für Parapsychologie dort, die ich machen könnte! xD). Zum anderen wurde der erste Harry Potter Band in Edinburgh geschrieben und man findet auf Schritt und Tritt so einiges, was J.K. Rowling einst inspiriert hat. Ich verbrachte also nach der Tour einige Zeit damit, mich auf Spurensuche zu begeben.

Im Stadtzentrum trifft man hin und wieder auf solche Tafeln, vor allem an Friedhofseingängen. Sie warnen vor der Pest - im Allgemeinen finde ich aber, verleiht es der Stadt einen ganz besonderen Charme x3

Auf dem zentralen Friedhof, der gleichzeitig als Stadtpark fungiert, ist der Boden gespickt von solchen Käfigen. Sie haben einst ihre toten Insassen vor Grabräubern geschützt, bis die Körper der Verstorbenen zu verwest waren, und somit keinen Nutzen mehr für Studien der Anatomie hatten. Es war damals ein sehr lukratives Geschäft in Edinburgh und daher zunehmend ein Problem. Solche Käfige konnte man für einige Wochen mieten, aber es gab auch Wachleute auf den Friedhöfen und zahlreiche Mausoleen für die reicheren Bürger. Aber es brachte in dieser Stadt auch die ersten Serienmörder der Geschichte hervor - Burke & Hare. Es war einfacher, Obdachlose und Prostituierte zu töten und zu verkaufen, als den Versuch zu unternehmen, eine Leiche von den gut gesicherten und bewachten Friedhöfen zu stehlen.
Diese Ecke des Friedhofs ist vielmehr ein historisches Gefängnis. Die letzten schottische Rebellen wurden hier gefangen gehalten, aber statt ihnen einfach die Todesstrafe zukommen zu lassen, verurteilte ein Jurist sie dazu, zu Tode gefoltert zu werden. An die Bäume hier vorne im Bild wurden manchmal besonders aufmüpfige Menschen gebunden, um ihnen mit roher Gewalt die Arme vom Körper zu reißen.

... und gleich daneben befindet sich dieses Mausoleum, hinten an der Friedhofsmauer. In diesem Mausoleum ruht besagter Jurist. Erst vor kurzem, 1999, gab es einige seltsame Vorfälle um dieses Mausoleum herum, nachdem ein Obdachloser dort drinnen schlafen wollte und durch den Boden eingebrochen ist. Seitdem berichteten Besucher und Touristen von seltsamen Illusionen, und von Kratzern an ihren Armen nachdem sie dort waren. Manche mutige gingen hinein und einige von ihnen fielen in Ohnmacht und wieder in das Loch im Boden hinein. Die Regierung der Stadt begegnete dem ganz nüchtern und brachte 2003 ein Eisenschloss an die Türen des Mausoleums an. Seitdem kommen keine Touristen mehr rein - und anscheinend kein Poltergeist mehr raus.
Eine der größten Legenden ist wohl Greyfriars Bobby. Es war der Hund eines der Friedhofswächter. Es gab damals einen Erlass, dass jeder Wächter sich, wegen des gefährlichen Jobs, einen möglichst blutrünstig wirkenden Hund anschaffen sollte. Aber einer der Wächter holte sich, voller vertrauen, einen kleinen Terrier für diesen Job. Schnell wuchsen die beiden für die Bevölkerung zu einer beliebten Attraktion und als der Wächter eines Tages starb, hätte der Hund eigentlich ebenfalls "entsorgt" werden müssen. Doch die Bürger protestierten und so bekam der Hund von der Stadtverwaltung schließlich echte Bürgerrechte als Einwohner von Edinburgh. (Witzigerweise bekam Bobby damit auch das Recht zu Wählen, lange bevor Frauen es hatten xD)
Die Legende besagt, dass Bobby bis zu seinem Tod weiterhin seine Aufgabe verfolgte, den Friedhof zu bewachen, auf dem nun auch sein einstiger Besitzer begraben war.

Die Statue von Greyfriars Bobby ist heute die meistfotografierte Statue in Edinburgh xD


Kommen wir nun zu Harry Potter. Da dieser Friedhof der so ziemlich ruhigste Ort weit und breit ist, im Stadtzentrum, hat auch J.K. Rowling einst hier ihre Runden gedreht. Man sagt, dass genau dieser Ausblick, den man vom Friedhof aus auf Edinburgh Castle hat, sie zu Hogwarts inspiriert hat. An nebeligen Tagen scheint das Schloss nämlich im Nichts zu schweben. Kann ich mir gut vorstellen....

Und das, meine Damen und Herren, ist DAS Fenster. In dieser Bar hat Rowling gesessen, als sie ihren ersten Band geschrieben hat. Sie hatte nich wirklich die möglichkeit, woanders hin zu gehen und der Besitzer erlaubte es ihr netterweise, dort an diesem Fenster ihre Arbeit zu machen. Die Bar befindet sich zudem direkt hinterm Friedhof, und man hat vom Fenster aus eine gute Sicht auf diesen gruseligen Teil der Stadt und auf Edinburgh Castle.

Noch ein kleines inspirierendes Kuriosum: Auch in Edinburgh gab es einst "Stolper-Stufen" in den Treppen, die einfach zu verschwinden schienen (wie in Hogwarts). Für die damaligen Bürger war es ein einfacher Einbrecher-Alarm. Die Stufen waren so gebaut, dass man mit der Fußspitze durchaus auftreten konnte, wenn man aber sein Gewicht darauf verlagerte, ist man unweigerlich abgerutscht. Die Einwohner wussten ganz genau, welche die fiese Stufe war und übersprangen sie aus Gewohnheit - ein Fremder in der Nacht hingegen verursachte unweigerlich einen tosenden Krach und verletzte sich oft fies, bevor er Schaden anrichten konnte. In diesem Gebäude, ließ man einen Queschnitt dieser Stufen noch als Erinnerung stehen.
Eine gruselige Begegnung hatte ich in Edinburgh dann selbst. Ich stieß auf eine gruselige Statue, und habe sie fotografiert, doch aus irgendeinem Grund, sieht die Statue auf diesem Foto völlig anders aus, als sie in real aussah. Ich wollte es also nochmal ohne Blitz versuchen, doch dann schaltete sich meine Kamera plötzlich aus. Ich versuchte es wieder und wieder, doch sobald ich meine Kamera auf die Statue richtete, schaltete sie sich immer wieder aus. Ich fand das creepy und gab schließlich auf.

Nur eine Minute später, an einem anderen gruseligen Monument, funktionierte die Kamera wieder einwandfrei.

Hier nochmal die Szenerie von einer anderen Ecke des Friedhofs aus. Mich faszinierte, wie diese schwarze Kirche sich in den Himmel spießte wie eine fiese Nadel.

Mir wurde gesagt, dass Rowling sich auch von einigen Namen auf den Gräbern inspirieren ließ. Die meiste Zeit des Tages habe ich also versucht, solche Gräber zu finden. Ich fand aber keine. Am Abend ging ich stattdessen schließlich zu einer Bar, bei der eine gratis Ghost-Tour angeboten wurde. Doch da nur ich und eine junge Kanadierin dort hinkamen, wurde die Tour abgeblasen. Stattdessen gerieten die Kanadierin und ich allerdings ins Gespräch und sie erzählte mir, dass sie einige Gräber gesehen hatte. Voller Enthusiasmus entschieden wir uns also, doch nochmal nachts im dunkeln auf den Friedhof zu gehen, damit ich die Gräber auch sehen konnte. Nach langer Suche (man verliert dort leicht den Orientierungssinn, denn der Friedhof ist sehr groß) fanden wir einen McGonagall.

Und nach noch längerer Suche fanden wir schließlich den Jackpot: Das wahre Grab des Tom Riddle, oder besser gesagt: Thomas Riddell. Cool^^
Wir kamen außerdem noch an der Schule vorbei, in die J.K. Rowling ihr Kind geschickt hat. Direkt neben dem Friedhof xD Nett.
Den Rest meiner kurzen Zeit in Edinburgh verbrachte ich gemütlich im Hostel und hatte einige nette Gespräche mit weiteren reisenden :)

Naja und das wars dann auch, mein Tag in Edinburgh. Am nächsten Tag ging es dann weiter in die Highlands, nach Inverness. So weit nördlich war ich in meinem Leben noch nie, und die verschneite Landschaft hatte echt was für sich. Und davon berichte ich euch dann im nächsten Beitrag^^

  • Digg
  • Del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • RSS