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Schottland. Kapitel 8: Edinburgh - Rocky Horror Friedhofs-Spaß

Nun denn. Die Ereignisse, von denen ich euch nun berichten möchte, liegen nun etwa nen Monat zurück. Ich wollte zwar so schnell wie möglich aufholen, aber ich fürchte, ich bin wohl faul geworden ;D Und bald bin ich ja auch wieder in heimischen Gefilden.... dennoch schreibe ich mittlerweile diesen Blog nicht mehr nur für euch sondern auch für mich selbst, als Erinnerung. Ich werde das also nicht einfach unvollendet lassen xD

Meine Zeit in Kilgarvan endete mit einem herzlichen Abschied und einer langen Reise nach Norden, in Richtung Edinburgh (korrekt gesprochen übrigens: "Edinbrah"). Ich wollte ursprünglich eine Fähre nehmen, aber inklusive Busfahrt hätte ich da die komplette Nacht über fahren müssen, während ich nur 5 Euro im Vergleich mit einem Ryanair Flug gespart hätte. Ich erhob mich also wieder in die Lüfte.
Ich habe mich zuvor nicht im geringsten über Edinburgh informiert und wusste daher nicht, was mich erwartete. Als ich jedoch ankam und mich mit dem Bus dem Stadtzentrum näherte, ergriff mich pures Staunen. Die Szenerie der Stadt ist absolut einzigartig, atemberaubend. Die Stadt ist in eine von Vulkanismus geprägte Landschaft hinein gebaut - das heißt mitten in eine Landschaft von steilen, nah beieinander liegenden Hügeln und schroffen Klippen. Ich habe mir fast den Nacken ausgerenkt, bei dem Versuch, alles zu sehen als der Bus weit unten am Edinburgh Castle entlang fuhr. Das Schloss thront über der Stadt auf der ebenen Spitze des zentralen Vulkans, der schon lange nicht mehr aktiv ist. Von allen Seiten fallen steil schwarz-grüne Klippen herab. Überall im Tal drumherum stehen gotische Gebäude und Monumente. Beim Aussteigen aus dem Bus stellt man schnell Fest, dass die Stadt ganz besondert gebaut wurde: nicht so, als hätte man ein Tuch aus Häusern auf die Hügellandschaft gelegt, wie es üblich wäre, sondern als hätte man Wasser hinein gekippt, so dass die Häuser die die Zwischenräume zwischen den Hügeln ausfüllen, selbst Klippen bilden, in mehreren Lagen stehen. Man läuft dort durch die Straßen und denkt, man sei auf dem "Erdgeschoss" - dann geht man an einer Häuserwand vorbei und stellt fest, dass man eigentlich auf einer Brücke steht, mehr noch, dass sich unter einem noch weitere normale Gebäude befinden, Kirchen, Schulen, Uni-Gebäude. An jeder Ecke gibt es kleine Gänge, die mitten durch die Gebäude führen, geradeaus oder bergauf oder bergab; sie nennen sich "Closes" und sind wie Abkürzungen, wie Wurmlöcher zwischen den Straßen auf verschiedenen Höhen. Ein Haus, das so aussieht als hätte es drei Geschosse, kann in wirklichkeit auf der anderen, dir abgewandten Seite 5 Geschosse haben, weil es so an den Hügel gebaut ist und so weiter.
Kurz gesagt: Es erinnerte mich an dieses Berühmte M.C. Escher-Bild:

 So sehr ich meinen Orientierungssinn in den letzten Monaten auch trainiert habe, es wird euch wohl nicht wundern, dass ich mich in dieser Nacht zunächst einmal hoffnungslos verlaufen habe. Und das Hostel, das ich suchte, machte es mir auch nicht leichter, es war nämlich arg versteckt. Stellte sich heraus, dass ich mehrmals daran vorbei gelaufen war, bis ich schließlich in eine Bar ging wo man das Hostel für mich in Google suchte und man mir daher etwa in einem 10-meter Umkreis sagen konnte, wo es sein sollte. Und dennoch dauerte es eine Weile, bis ich es fand xD

Zur Verteidigung meiner Ehre: Versucht es selbst mal! Wo ist das Hostel in diesem Bild?
Naja. Am nächsten Tag schlenderte ich erst einmal durch die Straßen und stellte fest, dass sich an jeder Ecke außerdem nerdige Läden befanden xD Auch toll. Und ne Menge Studenten überall. Mir wurde schnell klar, dass ich Edinburgh nicht einfach blind erforschen kann, daher kam es mir sehr gelegen, dass es auch hier - so wie in Galway - gratis Touren hab. 3 Stunden verbrachte ich also in einer jungen Touristengruppe und lernte ne Menge interessantes Zeug über die Stadt. Ein Foto von der Gruppe wurde auch gemacht und online gestellt:

Die Kulisse ist übrigens eine Säule, die einst als Pranger diente. Kleinkriminelle nagelte man einfach durch das Ohrläppchen an den Stein. Dort mussten sie einen ganzen Tag verbringen, während die Einheimischen ihre Eimer und Pötte voller Exkremente über ihnen auskippten (Spülklos gab's ja damals nich). Wer sich allerdings mit Gewalt von seiner Pein losriss, war durch das von nun an verkrüppelte Ohr auf ewig markiert, als jemand, der seine Strafe nicht durchstehen kann, der sich der Gerechtigkeit nicht stellt. Schöner Ort für ein Foto^^
Ich beriesel euch mal ein bisschen mit hübschen Fotos von diesem kalten Tag.
Die Royal Mile. Das ist die Prachtstraße im Stadtzentrum, die zwischen Edinburgh Castle und dem Schloss verläuft, in dem die Queen wohnt wenn sie herkommt. Auf dieser Straße sieht alles iwie wichtig und historisch aus, und nicht umsonst ist alles hier auch Unesco geschützt.

Edinburgh Castle am Tag.


Eine der Kathedralen in Edinburgh, in der einst eine der größten schottischen Rebellionen ausgebrochen ist, nachdem eine junge Frau einen Gebetshocker an den Kopf eines Bischof's geworfen hat.

Aber zwei Dinge weckten ganz besonders mein Interesse: Die Friedhöfe/Geistergeschichten und Harry Potter.
Zum einen gilt Edinburgh als die am meisten von paranormaler Aktivität heimgesuchte Stadt Europas (es gibt sogar eine Doktoranden-Stelle für Parapsychologie dort, die ich machen könnte! xD). Zum anderen wurde der erste Harry Potter Band in Edinburgh geschrieben und man findet auf Schritt und Tritt so einiges, was J.K. Rowling einst inspiriert hat. Ich verbrachte also nach der Tour einige Zeit damit, mich auf Spurensuche zu begeben.

Im Stadtzentrum trifft man hin und wieder auf solche Tafeln, vor allem an Friedhofseingängen. Sie warnen vor der Pest - im Allgemeinen finde ich aber, verleiht es der Stadt einen ganz besonderen Charme x3

Auf dem zentralen Friedhof, der gleichzeitig als Stadtpark fungiert, ist der Boden gespickt von solchen Käfigen. Sie haben einst ihre toten Insassen vor Grabräubern geschützt, bis die Körper der Verstorbenen zu verwest waren, und somit keinen Nutzen mehr für Studien der Anatomie hatten. Es war damals ein sehr lukratives Geschäft in Edinburgh und daher zunehmend ein Problem. Solche Käfige konnte man für einige Wochen mieten, aber es gab auch Wachleute auf den Friedhöfen und zahlreiche Mausoleen für die reicheren Bürger. Aber es brachte in dieser Stadt auch die ersten Serienmörder der Geschichte hervor - Burke & Hare. Es war einfacher, Obdachlose und Prostituierte zu töten und zu verkaufen, als den Versuch zu unternehmen, eine Leiche von den gut gesicherten und bewachten Friedhöfen zu stehlen.
Diese Ecke des Friedhofs ist vielmehr ein historisches Gefängnis. Die letzten schottische Rebellen wurden hier gefangen gehalten, aber statt ihnen einfach die Todesstrafe zukommen zu lassen, verurteilte ein Jurist sie dazu, zu Tode gefoltert zu werden. An die Bäume hier vorne im Bild wurden manchmal besonders aufmüpfige Menschen gebunden, um ihnen mit roher Gewalt die Arme vom Körper zu reißen.

... und gleich daneben befindet sich dieses Mausoleum, hinten an der Friedhofsmauer. In diesem Mausoleum ruht besagter Jurist. Erst vor kurzem, 1999, gab es einige seltsame Vorfälle um dieses Mausoleum herum, nachdem ein Obdachloser dort drinnen schlafen wollte und durch den Boden eingebrochen ist. Seitdem berichteten Besucher und Touristen von seltsamen Illusionen, und von Kratzern an ihren Armen nachdem sie dort waren. Manche mutige gingen hinein und einige von ihnen fielen in Ohnmacht und wieder in das Loch im Boden hinein. Die Regierung der Stadt begegnete dem ganz nüchtern und brachte 2003 ein Eisenschloss an die Türen des Mausoleums an. Seitdem kommen keine Touristen mehr rein - und anscheinend kein Poltergeist mehr raus.
Eine der größten Legenden ist wohl Greyfriars Bobby. Es war der Hund eines der Friedhofswächter. Es gab damals einen Erlass, dass jeder Wächter sich, wegen des gefährlichen Jobs, einen möglichst blutrünstig wirkenden Hund anschaffen sollte. Aber einer der Wächter holte sich, voller vertrauen, einen kleinen Terrier für diesen Job. Schnell wuchsen die beiden für die Bevölkerung zu einer beliebten Attraktion und als der Wächter eines Tages starb, hätte der Hund eigentlich ebenfalls "entsorgt" werden müssen. Doch die Bürger protestierten und so bekam der Hund von der Stadtverwaltung schließlich echte Bürgerrechte als Einwohner von Edinburgh. (Witzigerweise bekam Bobby damit auch das Recht zu Wählen, lange bevor Frauen es hatten xD)
Die Legende besagt, dass Bobby bis zu seinem Tod weiterhin seine Aufgabe verfolgte, den Friedhof zu bewachen, auf dem nun auch sein einstiger Besitzer begraben war.

Die Statue von Greyfriars Bobby ist heute die meistfotografierte Statue in Edinburgh xD


Kommen wir nun zu Harry Potter. Da dieser Friedhof der so ziemlich ruhigste Ort weit und breit ist, im Stadtzentrum, hat auch J.K. Rowling einst hier ihre Runden gedreht. Man sagt, dass genau dieser Ausblick, den man vom Friedhof aus auf Edinburgh Castle hat, sie zu Hogwarts inspiriert hat. An nebeligen Tagen scheint das Schloss nämlich im Nichts zu schweben. Kann ich mir gut vorstellen....

Und das, meine Damen und Herren, ist DAS Fenster. In dieser Bar hat Rowling gesessen, als sie ihren ersten Band geschrieben hat. Sie hatte nich wirklich die möglichkeit, woanders hin zu gehen und der Besitzer erlaubte es ihr netterweise, dort an diesem Fenster ihre Arbeit zu machen. Die Bar befindet sich zudem direkt hinterm Friedhof, und man hat vom Fenster aus eine gute Sicht auf diesen gruseligen Teil der Stadt und auf Edinburgh Castle.

Noch ein kleines inspirierendes Kuriosum: Auch in Edinburgh gab es einst "Stolper-Stufen" in den Treppen, die einfach zu verschwinden schienen (wie in Hogwarts). Für die damaligen Bürger war es ein einfacher Einbrecher-Alarm. Die Stufen waren so gebaut, dass man mit der Fußspitze durchaus auftreten konnte, wenn man aber sein Gewicht darauf verlagerte, ist man unweigerlich abgerutscht. Die Einwohner wussten ganz genau, welche die fiese Stufe war und übersprangen sie aus Gewohnheit - ein Fremder in der Nacht hingegen verursachte unweigerlich einen tosenden Krach und verletzte sich oft fies, bevor er Schaden anrichten konnte. In diesem Gebäude, ließ man einen Queschnitt dieser Stufen noch als Erinnerung stehen.
Eine gruselige Begegnung hatte ich in Edinburgh dann selbst. Ich stieß auf eine gruselige Statue, und habe sie fotografiert, doch aus irgendeinem Grund, sieht die Statue auf diesem Foto völlig anders aus, als sie in real aussah. Ich wollte es also nochmal ohne Blitz versuchen, doch dann schaltete sich meine Kamera plötzlich aus. Ich versuchte es wieder und wieder, doch sobald ich meine Kamera auf die Statue richtete, schaltete sie sich immer wieder aus. Ich fand das creepy und gab schließlich auf.

Nur eine Minute später, an einem anderen gruseligen Monument, funktionierte die Kamera wieder einwandfrei.

Hier nochmal die Szenerie von einer anderen Ecke des Friedhofs aus. Mich faszinierte, wie diese schwarze Kirche sich in den Himmel spießte wie eine fiese Nadel.

Mir wurde gesagt, dass Rowling sich auch von einigen Namen auf den Gräbern inspirieren ließ. Die meiste Zeit des Tages habe ich also versucht, solche Gräber zu finden. Ich fand aber keine. Am Abend ging ich stattdessen schließlich zu einer Bar, bei der eine gratis Ghost-Tour angeboten wurde. Doch da nur ich und eine junge Kanadierin dort hinkamen, wurde die Tour abgeblasen. Stattdessen gerieten die Kanadierin und ich allerdings ins Gespräch und sie erzählte mir, dass sie einige Gräber gesehen hatte. Voller Enthusiasmus entschieden wir uns also, doch nochmal nachts im dunkeln auf den Friedhof zu gehen, damit ich die Gräber auch sehen konnte. Nach langer Suche (man verliert dort leicht den Orientierungssinn, denn der Friedhof ist sehr groß) fanden wir einen McGonagall.

Und nach noch längerer Suche fanden wir schließlich den Jackpot: Das wahre Grab des Tom Riddle, oder besser gesagt: Thomas Riddell. Cool^^
Wir kamen außerdem noch an der Schule vorbei, in die J.K. Rowling ihr Kind geschickt hat. Direkt neben dem Friedhof xD Nett.
Den Rest meiner kurzen Zeit in Edinburgh verbrachte ich gemütlich im Hostel und hatte einige nette Gespräche mit weiteren reisenden :)

Naja und das wars dann auch, mein Tag in Edinburgh. Am nächsten Tag ging es dann weiter in die Highlands, nach Inverness. So weit nördlich war ich in meinem Leben noch nie, und die verschneite Landschaft hatte echt was für sich. Und davon berichte ich euch dann im nächsten Beitrag^^

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