Montag - Eine Reise durch die Zeit... und Ninjas!
Wir gingen den heutigen morgen etwas langsamer an, checkten aus und verabschiedeten uns noch ein bisschen von unserem Hostel, dem Khaosan, indem wir kurz auf der Dachterrasse chillten. Unsere Taschen durften wir bis 22 Uhr noch dort lagern, zum Glück, denn unser Bus sollte erst in der Nacht fahren.
Unser Hostel hatte für jeden Tag Infos über Feste und Veranstaltungen in Kyoto. Heute war eins angesagt, das uns besonders ins Auge fiel: Das Jidai Matsuri Festival - das Festival der Zeitalter. Das klang erstmal interessant, doch wir wunderten uns über die lange Dauer, die angezeigt wurde, obwohl es nur ein Festzug war. Wir sollten erst später herausfinden, warum. Erstmal wollten wir, aus Spaß an der Freude, zum Frühstück einen deutschen Bäcker aufsuchen! Den einzigen, den wir bisher in Japan finden konnten. In der Nähe sollte auch der Endpunkt dieses Festzuges sein, das traf sich also gut. Schon auf dem Weg dahin liefen wir am Endpunkt vorbei und sahen schon ein bisschen Deko.
Heian Jingu Schrein:
Die Bäckerei wurde von einem Auswanderer und einer Japanerin geführt, die in Deutschland das Bäckereihandwerk gelernt hat. Der Laden hätte sich von der Qualität her auf jeden Fall auch in Deutschland sehen lassen können! Wir stopften uns die Bäuche mit belegten Brötchen und Kuchen voll und verließen ihn zufrieden.
Jedes Jahr am 22. Oktober feiert Kyoto den Tag, an welchem es zur Hauptstadt Japans ernannt wurde. Das ist eines der größten Feste in Kyoto. Dazu gibt es einen mehrstündigen Festzug quer durch die Stadt, in welchem alle Schausteller historische Kostüme tragen und in welchem zwei Schreine zu Ehren wichtiger Kaiser (Kaiser Kammu, welcher Kyoto gründete, und Kaiser Komei, welcher es zur Hauptstadt machte) von einem wichtigem Ort (dem alten Kaiserpalast) zu einem anderen wichtigen Ort (dem Heian Jingu Schrein) getragen werden. Die Strecke ist mehrere Kilometer lang und der Festzug selbst braucht gut 2 Stunden, um an einem Punkt vollständig vorbei zu kommen. Die Kostüme treten chronologisch rückwärts auf, also vom neuesten (hier Meiji-Periode 1868-1912) zum ältesten Zeitalter (Heian-Periode 794-1185). Dabei erscheinen sowohl Soldaten, als auch Handwerker und Kaufleute und Diener, sowie bestimmte historische Figuren wie Herrscher, Dichter, berühmte Krieger usw.
Zunächst gab es eine kleine "Vorband", welche diese ganzen Kilometer quer durch die Stadt langsam und bis ins feinste Detail durchchoreografiert ertanzte. Angesichts dessen, dass wir uns am Endspurt befanden, wirkten sie noch beachtlich ruhig und fit.
Hier ein Video:
Danach begann der eigentliche historische Festzug. Manche Gruppen legten kleine Showeinlagen ein, so dass immer kurz gestoppt wurde und alles sehr gemächlich voran kam. Hier eine Auswahl (nach keinem bestimmten Schema, sondern einfach nur ein paar der eher gelungenen Bilder):
Meiji-Periode (1868-1912):
Imperiale Armee der Meiji-Restauration:
Sakamoto Ryoma (berühmter Krieger):
(Vermutlich) Yoshimura Torataro (Volksheld):
Edo-Periode (1600-1868):
Kaiserliche Prinzessin Kazu-no-Miya, Schwester von Kaiser Komei:
Yoshino Tayu (berühmte Entertainerin):
Izumo-no-Okuni (Erfinderin des Kabuki-Theaters):
Azuchi-Momoyama-Periode (1568-1600):
Wagenzug von Toyotomi Hideori (berühmter Daimyo und Sohn von Toyotomi Hideoshi, einem von drei wichtigen Personen, die Japan nach der Bürgerkriegszeit vereint haben):
Takigawa Kazumasu (berühmter Samurai unter Oda Nobunaga, der zweiten Person in besagtem Trio (der dritte ist Shogun Tokugawa Ieyasu)):
Muromachi Periode (1338-1573, ab 1477 "Zeit der streitenden Reiche" - ein knapp 100 Jahre langer Bürgerkrieg):
Yoshino Periode (1333-1392):
Frauen im japanischen Mittelalter (1180-1600):
Yodogimi (Ehefrau von Toyotomi Hideyoshi):
Madame Fujiwara Tameie (Reisende Frau, welche 1277 ein berühmtes Tagebuch verfasst hat):
Lady Shizuka (tragische Geliebte von Minamoto Yoshitsune):
Kamakura Periode (1192-1333):
Yabasume Bogenschütze; also einer von der Sorte, die wir in Nikko in Aktion gesehen hatten:
3 Ziele für den Bogenschützen:
Heian Periode (794-1185):
Ein Fujiwara Regent:
Tomoe-Gozen (in Männerrüstung, Ehefrau eines berühmten Lords, welche zusammen mit ihm in die Schlacht zog):
Tokiwa-Gozen (Mutter von Minamoto Yoshitsune, welche mit ihren Kindern während eines Bürgerkrieges aus Kyoto flüchten musste, aber später mutig zurückkehrte, um ihre eigene Mutter zu retten):
Sei-Shonagon (Schriftstellerin):
Kudara-O-Myoshin (wichtige Lady am kaiserlichen Hof von Kaiser Kammu):
Prozession von Personen, welche in speziellen Kostümen Opfergaben zum Heian Schrein bringen:
Karyobinga-Kostüm:
Zen Retsu Musiker:
Ganz schön viel, wa? Trotzdem haben wir keinerlei Ninjas gesehen. Aber das ist wahrscheinlich auch gewollt so xD Ninjas kann man doch nicht sehen...
Wir machten uns also für den Rest des Tages auf die Suche nach Ninjas ;D
Zunächst in einem Ninja-Shop & Dojo, in welchem es Waffen und Zeug gab, aber das hätten wir nieeee durch den Zoll gekriegt. Stattdessen machten wir im Dojo ein Foto neben einer schicken Samurai-Rüstung und unterhielten uns auf deutsch mit der netten Verkäuferin (viele Japaner lernen deutsch und teilen einem das mit großer Freude mit, sobald sie merken, dass man deutsch ist):
Nach einigem weiteren umherstreifen durch die Straßen und Läden...
...zog es uns schließlich wieder Richtung Abendessen. Diesesmal in ein Restaurant, was schon länger in Planung war, aber aufgrund von Tonys Magen aufgeschoben wurde: Einem Ninja-Erlebnis-Restaurant!
Wir fanden es in einer Hintergasse und schon vor dem Eingang musste man sich entscheiden, ob man eintrat oder nicht. Es sollte wohlüberlegt sein, denn man kann nur mit mind. 2 Personen rein und beide müssen das selbe Menü bestellen, welches mit entsprechenden Showeinlagen gebracht wird. Wir entschieden uns dafür, und wurden wiedermal absolut nicht enttäuscht. Am Ende wahrscheinlich sogar eines der absoluten Restaurant-Highlights unserer Japan reise. Wir erfuhren erst später, dass das Restaurant voll berühmt ist in Japan.
Die Eingangsdame im Ninja-Kostüm rief erstmal drinnen an, und kurze Zeit später tauchte ein weiteres Ninja-Mädel auf, drückte uns eine Lampe in die Hand und führte uns hinab in ein verwinkeltes unterirdisches Labyrinth.
Wir mussten an einer Stelle an Kunais (Wurfmesser) ziehen und an einer anderen "Nin Nin" sagen, um Geheimtüren zu öffnen. Schließlich wurden wurden in eine kleine, verließ-artige Kammer gesetzt und durften ein Menü wählen. Wir entschieden uns für die 5000 Yen (pro Person) Variante, das "Hanzo Entertainment Menu". Kurze Zeit später begrüßte uns die erste Vorspeise: Ninjastern-Cracker!
Als nächstes gab es für jeden eine mysteriöse Box...
... mit Sashimi und Tomaten auf Trockeneis!
Die nächste kleine Speise, eine Portion Lachs-Carpaccio, wurde live flambiert:
Danach kam eine Köchin vorbei, welche uns live eine Nabe-Suppe kochte. Wir haben uns nett mit ihr unterhalten und als sie erfuhr, dass wir unsere Flitterwochen hier feierten, wurden ihre Augen ganz groß und sie wäre gefühlt um ein Haar durch die Decke geflogen:
Sie kochte die Suppe mit einem mehrere tausend Grad heißen Stein, welcher dem ganzen einen besonders schönen Geschmack verlieh:
Bild von der Suppe is verschwommen, weil musste schnell gegessen werden, roch zu lecker!
Schon jetzt waren wir mega zufrieden:
Die "Hauptspeise" war variabel, somit hatte Gab extrem perfekten Lachs:
Und Tony hatte Rind (Bild etwas zu spät geschossen, daher so wenig aufm Teller übrig):
Danach gab es eine Platte mit Sushi:
So perfekte Stücke Lachs sieht man selten:
Und dann kam eine kleine Überraschung, das Restaurant hatte unser Desert (Parfait) extra für den Anlass dekoriert und uns damit eine riesige Freude gemacht:
Wir waren übelst gerührt, und kurze Zeit später kam ein Ninja-Zauberer in unseren Raum mit einer kleinen Show. Zunächst gab es Kartentricks, wobei er uns am Anfang beide auf jeweils einer zufälligen Karte unterschreiben ließ. Gab hatte den Herz-König und Tony die Pik-Acht. Nach einigen Tricks damit nahm der Zauberer schließlich diese beiden Karten, legte sie auf Tonys Hand, meine oben drauf, seine Hände drumherum und murmelte einen Ninja-Zauberspruch. Und Bäm: Die Karten sind zu einer doppelseitigen Karte verschmolzen, inkl. Unterschrift! Absolut cooles Souvenir für zuhause. Auch er gab uns außerdem ein Zettelchen mit Gratulationen mit.
Nach einiger Zeit des Rumsitzens und Freuens mussten wir uns aber leider auf den Weg machen, denn wir sollten heute noch einen Fernbus erwischen und vorher unsere Rucksäcke vom Hostel abholen. Die Mitarbeiter schienen ehrlich traurig darüber zu sein, ich glaube, sie wollten sich eigentlich noch einiges mehr einfallen lassen. Wir ließen uns wieder durch das Labyrinth führen, diesmal einen anderen Weg. Als wir draußen waren und schon einige Meter gelaufen waren, hörten wir aber nochmal einen Ruf. Hinter uns war nochmal einer der Mitarbeiter, der eine Schriftrolle vor uns ausbreitete. Selbst der Abschied war herzerwärmend. Pure Liebe. 10/10 Sterne <3
Auf dem Heimweg gab es noch fix eine Runde Tajyaki aus einer empfohlenen Bude, welche auch ausgefallene Varianten anbot, u.a. mit Eis. Aber Gab entschied sich trotzdem für eine beinahe klassische Variante mit Bohnenpaste und geschmolzenen Mochi:
Am Ufer des Kamo River warteten wir nun auf den Fernbus und Tony machte ein paar Fotos vom Mond...
Und weiter ging die Reise durch die Nacht, zurück nach Tokyo.



































































