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Japan Tagebuch - Kyoto #3

Sonntag - Fushimi Inari Taisha

Heute ging es Tony wieder besser, also machten wir uns auf den Weg zu einer von Kyotos bekanntesten Sehenswürdigkeiten: Den Fushimi Inari Schrein inkl. Berg Inari-san, dem Berg der tausend Shinto-Tore.

Es war ein ziemlich schöner, warmer Tag und es tummelten sich unzählige Touristen am Fuß des Berges. Fressbuden und Souvenirshops reihten sich in der Seitenstraße zwischen dem Bahnhof und den ersten ersten großen Toren dicht aneinander. Tony lief schnell daran vorbei, denn so richtig bekamen ihm die Gerüche von gebratenen und frittierten Nomnoms noch nicht.


Erstmal Waschritual am Eingang...

Der Schrein ist dem Kami Inari gewidmet, dessen Boten weiße Füchse (Kitsune) sind. Entsprechend waren üüüüberall Fuchs-Statuen, Fuchs-Zeichnungen, Fuchs-Souvenire etc. pp. Eine kleine Auswahl:

Schon der Bahnhof war ganz fuchsig dekoriert:
Überall Inari-Masken:
Eingangsbereich:

 Im ersten (hauptsächlichen) Tempelareal:


 Auf dem Weg den Berg hoch:




 Im Friedhofsbereich:


 
Einer meiner Favoriten:


Und den Türvorhang hier haben wir uns am Schluss gekauft:

Ein paar andere Statuen chillten sich aber auch ab und zu dazwischen.





Und die örtlichen Katzen wollten ebenfalls Tribut:


Im ersten Tempelareal, kurz bevor wir uns auf den Weg durch die vielen aneinandergereihten Tore machten, stolperten wir über einen kleinen Stand, geführt von einem älteren Paar, mit preiswerten Kimonos. Tony probierte eins für Herren an: einen sogenannten Jimbei, ein traditionelles Hemd inkl kurzer Hose, welches i.d.R. nur von Kindern und Männern getragen wird. Heutzutage wird er gern als Pyjama genutzt. Wurde direkt mal gekauft. Gab bekam daraufhin auch Bock und suchte sich spontan eins für Frauen aus: Eine Yukata. Das ist ein Kimono mit nur einer Lage Stoff, was es einfacher anzuziehen, alltagspraktischer und preiswerter macht (typischerweise sind Kimonos mehrlagig). Wird gerne im Sommer oder in Wellness-Hotels / Ryokans getragen und gibt es sowohl für Frauen als auch für Männer. Trotz der vergleichsweisen Einfachheit brauchte Gab vollständige Hilfe von der Dame beim Anziehen - und behielt es gleich an. Wann wird man sonst so sachgemäß in einen Kimono gewickelt? Einen Obi (Kimono-Gürtel) gab es im Preis inbegriffen. Super!
Infolgedessen wanderte Gab also mit Yukata, Sonnenbrille, bunten Haaren und Wanderschuhen den Berg hoch. Die jüngeren Japaner guckten manchmal etwas schockiert über die Combo, die älteren eher wohlwollend-belustigt und nickten uns zu. Eine ältere Dame richtete mir zwischendurch sogar den Obi, der etwas verrutscht war. Wie immer sehr lieb, die Japaner.

Der Anfang der Strecke war ziemlich überlaufen von Touristen. Schicke Fotos zu machen erforderte entsprechende Geduld.


"Tony, mach dich breit, damit man die Menschen im Hintergrund nicht sieht!"


Auf der Rückseite der Tore waren Namen von Privatpersonen und Firmen geschrieben. Jeder, der entsprechend Geld hatte, kann dort ein Tor spenden und der Name steht dann hinten drauf. Kleine Tore sind noch menschlich halbwegs bezahlbar, je größer die Tore, desto unmenschlicher werden die Summen.

Es gab eine kurze Wanderroute (durch diese doppelte Tor-Reihe und die unteren beiden Tempelareale) und eine lange Wanderroute, welche über den Berg weiterging. Tony schimpfte über jegliche Andeutung, wieder einen Berg zu erklimmen, aber am Ende taten wir es trotzdem, denn der Weg war im Vergleich zu bisherigen Touren kinderleicht, kurz und - vor allem - nicht so belaufen wie die vorderen Bereiche des Fushimi Inari. Bei einer Kreuzung weiter oben wurden wir außerdem noch mit der schönen Aussicht über Kyoto belohnt und Tony erspähte direkt das Hauptgebäude von Nintendo. Er legte die Zoom-Linse auf die Kamera und freute sich des Lebens. Danach gab es Sojabohnen-Eis. :)



Die Menschenmassen lichteten sich nach dieser Stelle nochmal deutlich. Wir machten unzählige Fotos und warfen hier und da mal eine Münze in einen Schrein. 







Weiter oben gab es außerdem ein paar Shinto-Friedhöfe. 




Auf der Spitze war Kamisha-Shinseki (Ichinomine), der Schrein in dem Suehiro Okami verehrt wird. Drumherum tümmelten sich über 150 kleinere Schreine. Ein älteres paar stand dort und der Mann sang ein buddhistisches Gebet, während nach und nach Besucher herankamen, eine Glocke läuteten, eine Münze einwarfen und sich kurz dem Gebet anschlossen. Gab schloss sich ebenfalls an.


Auf dem Weg nach unten kamen wir an einer Brücke vorbei, wo unten irgendwas geräuchert wurde, so dass die Sonnenstrahlen im Rauch besonders schön aussahen. Außerdem kamen wir an dieser schönen Brunnen-Fuchs-Statue (siehe oben) vorbei und Gab wusch sich aus Prinzip nochmal. Mittlerweile hatte Gab das Waschritual einigermaßen drauf (Tony: "Yeah, endlich hast du gelernt, wie man sich wäscht!!").



Wir fanden außerdem einen kleinen Laden, in welchem auch englischsprachige Omikuji verkauft wurden, kleine "Orakel-Zettel" welche dir irgendwas über deine Zukunft sagen, ähnlich wie ein Horoskop. Gab kaufte sich eins. Weiter unten konnte man die Omikuji an einem Gestell festbinden, damit sie später gesammelt und verbrannt werden können und in den Himmel aufsteigen können. 


 Insgesamt haben wir so einige Stunden auf diesem Berg verbracht. Wieder bei unserem Ausgangspunkt angekommen, gab es einen weiteren unbekannten süßen Snack - den Namen hab ich vergessen, aber es war ziemlich kross!
Auf dem Weg zurück zum Bahnhof...

Wir gingen zurück ins Hostel, Gab zog die Yukata wieder aus und wir warfen einen Blick in den großen bunten Shop nebenan. Dieser Laden, welcher von außen bunt und quirlig und nach Spielzeug aussah, stellte sich als mehrstöckiger absolut abgefahrener japanischer Sexshop heraus. Wir gingen trotzdem belustigt bis ganz nach oben, wo es lebensechte und wirklich schöne Anime-Sexpuppen gab.
Danach ging es wieder über den Nisshiki-Markt zu einem Restaurant, das schon in den Tagen zuvor auf dem Weg zum Komefuku unsere Aufmerksamkeit eingefangen hatte. Es war ein Teishoku-Restaurant, also eines, wo man immer ein gesamtes Menü mit Hauptspeise, Vorspeise, eingelegten Kleinigkeiten, Reis und Misosuppe bestellt. Und das für recht wenig Geld. Außerdem bestellte man hier mit einem Tablet am Tisch. Die englische Sprachvariante war fürchterlich, aber mit der Hilfe der Kellner bekamen wir am Ende doch alles irgendwie hin. Wir blieben bis zum Ladenschluss.


Endlich! Gab fand endlich ein Restaurant, in welchem pures, frisches Natto (schleimige fermentierte Sojabohnen) verkauft wurde! Und außerdem andere japanische Glibberigkeiten wie (anscheinend ebenfalls fermentierte?) Okra-Shoten und (so gut wie) rohes Ei. Dazu unglibberige Nori-Streifen. Insgesamt ein Teller voller sehr schleimiger und geruchsstarker Snacks, alles sehr geschmackssache, wurde alles trotzdem brav aufgegessen, als Vorspeise. Damit war das nun endgültig von Gab's kulinarischer To-Do-Liste gestrichen.
 Außerdem bestellte Gab einen Tiefseefisch. Weil, warum nicht?
 Mit diesem hatte sie auch entsprechend laaaange zu kämpfen, denn: Als Besteck gab es nur Stäbchen. Versuch mal einen grätigen Fisch mit nur Stäbchen zu essen! Ebenfalls ein Erlebnis...
 Als Nachspeise Kürbis-Parfait:

Tony hat es seinem Magen zuliebe nicht ganz so exotisch gemacht, hatte sich aber mittlerweile extrem in Miso-Suppe verliebt und sein schon seit Tagen angestautes Miso-Bedürfnis konnte hier für's erste gestillt werden. Das war die Hauptsache!
Ein paar Bierchen aufm Heimweg (in Japan gibt es übrigens Ananas-Radler, sehr lecker!) und das war's.

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