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Japan Tagebuch - Nikko #5

Donnerstag: Mehr Wandern, Kaufrausch und Fahrerei

Heute war ein herrlicher und sonniger Tag in Nikko, warm genug um mit T-Shirt rumzulaufen. Wir packten unsere Sachen und ließen uns ein letztes Mal von Scout zum Nikko-Zentrum fahren. Was ich vergessen habe zu erzählen: Am Dienstag, unserem Tempel-Tag, haben wir auf dem Weg mit dem Shuttle eine Gruppe wilde Affen am Straßenrand gesehen. Ich hole das also hier nach und zeig euch repräsentative Beweisbilder, als sei nichts gewesen ^__^





Am Bahnhof von Nikko angekommen, verstauten wir erstmal unser Gepäck in Spinten, denn wir wollten heure ja noch den Toyama-san erklimmen. Laut Scout war dieser Weg nicht so lang, sonst hätten wir es vermutlich gar nicht erst versucht mit unseren recht müden Füßen vom Vortag. Das erste Stück fuhren wir mit dem Bus und stiegen bei der Shinkyo-Brücke aus, einer zentralen Sehenswürdigkeit in Nikko. An dieser sind wir schon an den vorherigen Tagen immer wieder vorbei gefahren, aber vom Bus aus haben wir es nie geschafft, ein schönes Bild zu schießen. Diesmal klappte es:


Wir bogen nach rechts und nach wenigen Minuten konnten wir unser Ziel bereits von der Straße aus sehen, den Toyama-san. Laut Scout sollte es heute eine fantastische Aussicht auf Nikko geben von seiner Spitze aus:

Die zweite Etappe des Weges führte uns eine Straße hoch und in ein Wohngebiet. In diesem befand sich ein Gasthaus mit Eulen-Maskottchen, das uns grob wissen ließ, dass wir uns auf dem richtigen Weg befanden.

 Das wohlhabende kleine Wohngebiet beinhaltete ein paar echt interessante Häuser:

Kurz hinter dem Gasthaus schritten wir über einen Bach und in den Wald hinein. Schon grüßte uns das erste Shinto-Steintor, welches markierte, dass wir uns nun auf dem Weg hoch auf einen heiligen Berg befanden (wie zuvor am Nantai-san).



Auf dem Weg begegneten uns mehrere solcher Steintore. Bei dem dritten oder vierten bemerkten wir dann irgendwann, dass Wanderer Steine drauf gelegt hatten. Wir taten also das selbe.



Auch an anderen Stellen fanden wir die Überbleibsel der Stein-Anordnungs-Künste von anderen Wanderern.


Der Weg war mal wieder ziemlich steil, wurzelig und steinig, und schlängelte sich im Zickzack den Berg hoch. Er war aber ansonsten ereignislos.

Nach einer knappen Stunde waren wir dann schließlich oben. Scout hatte nicht gelogen, die Aussicht war fantastisch! 

Wir begegneten oben auch einem älteren japanischen Paar. Der Mann machte sich die Mühe, uns ein paar Dinge über den Berg zu erzählen. Zum Beispiel, dass es jedes Jahr am 2. Januar ein Fest in Nikko gab, bei dem die Einwohner den Berg erklommen, um oben zu beten. Er führte uns auch über einen leicht übersehbaren Weg hin zu den kleinen Statuen, die angebetet werden. Wie immer von außerordentlicher Freundlichkeit, die Japaner. 
Zusätzlich gab es von dort ein weiteres schönes Panorama über die Berge. 


180° Blick:

Auch wir ließen ein Gebet und ein paar Münzen bei den Statuen.


Wir verabschiedeten uns von der Bergspitze, von den Toren und gingen wieder hinab in die Stadt.



Unten angekommen gab es noch etwas zu erledigen, bevor wir wieder in den Zug stiegen: Unweit vom Bahnhof gab es einen "Lion Dor"-Supermarkt, auf den uns Scout hingewiesen hatte. Das besondere daran? Es war ein richtiger Supermarkt. Also ein großer. In Japan findet man als unwissender Tourist nämlich so gut wie immer nur 7-Elevens oder Familymarts, die alle kaum größer sind als ein Späti oder eine Tankstelle in Deutschland. Zwar haben die alles, was man zum Leben braucht, aber trotzdem nur ein begrenztes Sortiment. Wir gingen also zum Supermarkt und tauchten in das Wunderland faszinierender japanischer Seltsamkeiten ein. Schon allein die Fisch- und Meeresgetier Abteilung nahm gut ein Drittel des Marktes ein, ein absoluter Wunschtraum für wilde Gäbchen. Darüber hinaus seltsames, nie gesehenes Gemüse und Obst, unbekannte Pilze, getrocknete Kraken von locker 40cm Länge, die einfach bei den Snacks herumhingen, 8Bit-Cup-Nudeln... 
Schade nur, dass wir nichts davon transportieren konnten, denn es war größtenteils frisch und nur von kurzer Haltbarkeit. 
Doch dann, bei den Süßigkeiten angekommen, verfing gab sich dann doch im Kaufrausch. So viele Seltsamkeiten! Nach einer guten dreiviertel Stunde und umgerechnet zusammen über 70 Euro ärmer, gingen wir richtung Zug, bepackt mit Tüten aus ca. 90% Süßkram. 

Während der Fahrt nahmen wir uns schon einiges davon vor. Und auch nach der Fahrt. Und während der nächsten paar Tage. Es nahm einfach kein Ende. Tony gab konsequent frühzeitig auf, Gab hingegen blickte immer wieder auf die kurze Haltbarkeit der nächsten Snacks und aß es dann trotzdem, schon völlig überzuckert. Am Ende wurden wir von Japans schier endloser Variation an süßen Snacks besiegt und wollten beide nur noch Miso-Suppe sehen. Alles, was ausreichend haltbar war, verschnürten wir in ein Paket und schickten es per Post nach Deutschland, da der Platz in den Rucksäcken dafür sonst nicht ausreichte. 

Hier ein paar Beispiele vom ersten Tag:
Grüntee-Mochi mit einem Überzug aus süßen roten Bohnen (Adzuki):
 Ein Gebäck aus violetter Süßkartoffel:
 Vollkommen normale Donuts:
 Und was das war, weiß ich ehrlich gesagt nicht mehr (Berliner-artiges Gebäck mit Mystery-Füllung):
Riesige Windbeutel:
 Und natürlich Taiyaki:

Sushi war auch dabei, zur Abwechslung - und selbst das abgepackte Sushi aus dem Supermarkt schmeckte hier besser als fast jeder Sushimann, den wir aus Deutschland kennen :0


Wir kamen am Abend in Tokyo an... 


...und es folgte eine kleine Odyssee durch Shinjuku, auf der Suche nach dem Fernbusterminal. 
Das unterirdische Labyrinth, das wir schon zuvor kennengelernt hatten, war unendlich schwieriger zu navigieren, nun da es keine offensichtlichen Schilder zu unserem Ziel gab. Bus-Terminals gibt es nämlich auch dort mehrere und als wir nach dem Weg fragten, wurden wir zunächst zum falschen gewiesen. Es gibt in Shinjuku wirklich unzählige potenzielle Ziele, Haltestellen, Läden, Ausgänge... das Labyrinth ist selbst fast ein Städchen für sich und da verwundert es mich nicht, wenn selbst Leute, die dort arbeiten, nicht wissen, wo man alles findet. 
Als wir es schließlich schafften, jagte Tony noch fix Essen - er erfüllte sich den Wunsch, etwas aus einem japanischen McDonalds zu essen - und etwa 2 Stunden später stiegen wir in den Nachtbus nach Kyoto. Dessen "Relax"-Sitze hatten sogar so Hauben wie an einem Kinderwagen, mit denen man sich vor Licht und Blicken abschirmen konnte beim Schlafen. Leider waren aber auch zwischen den Sitzen fette Getränkehalter angebracht, die es Tony sehr ungemütlich machten. Während Gab fast sofort einschlief, schaffte Tony es wiedermal nicht ins Traumland. 


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