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Japan Tagebuch - Nikko #1

Sonntag: In die blauen Berge fahren wir - nach Nikko.

Am Sonntag starteten wir halbwegs gechillt von Asakusa aus zu unserem nächsten Ziel: Der Stadt Nikko. Nikko liegt nördlich von Tokyo (wir fuhren ca. 3 Stunden mit lokalen - also langsamen - Zügen) und ist flächenmäßig die drittgrößte Stadt Japans. Aber wirklich nur flächenmäßig, denn in Wirklichkeit ist Nikko vielmehr wie eine breitgelatschte Kleinstadt: An einem weitschweifigen Straßennetz häufen sich hier und da immer mal ein paar Häuschen, die nie wesentlich mehr sind als in einem Dorf (die dichteste Stelle, wo der Bahnhof ist, lässt sich in ca. einer halben Stunde zu Fuß durchqueren). Dazwischen gibt es nichts außer viele, viiiiiiiiiiiiiiiele Hektar Wald und Berge. Mit dem Bus kann man auch schon mal mehr als eine Stunde fahren, wenn man von einem Nikko-Cluster zum nächsten fahren will. Trotzdem zählt sich alles als ein und die selbe Stadt. Kurios.

Auf dem Weg dorthin genossen wir schonmal die schöne Aussicht auf japanische Wohngebiete, Reisfelder und zunehmend mehr und mehr Berge und altmodische Häuschen. Hier ein Video:




Nikko Hauptbahnhof:


Kurz nach unserer Ankunft kam dann auch schon Scout, unser Gastgeber aus dem "Earth Hostel - The Riverhouse", mit einem Shuttlebus vorbei und sammelte uns und einige andere Gäste ein. Scout führt im Alleingang ein Hostel relativ weit draußen in den Bergen von Nikko, in einem stillgelegten Onsen (japanisches Badehaus mit heißer Quelle). Da keine öffentlichen Verkehrsmittel dort hin fahren, karrt er jeden Tag seine Gäste frühs zum Bahnhof und holt sie abends dort wieder ab. Abgesehen davon kocht er jedem seiner Gäste ein tolles gratis Frühstück, teilweise sogar verschiedene Gerichte je nach dem, wie lange man schon da ist, sowie eine abendliche, sehr sättigende Gemüsesuppe für wenig Geld, teilweise mit Gemüse aus dem eigenen Garten oder vom Bauernmarkt. Und außerdem setzte er sich regelmäßig hin und gab Tipps und Empfehlungen für Wanderrouten, verteilte entsprechende Karten etc. Unglaublich, was der alles auf die Beine stellt. Passend dazu läuft Scout quasi permanend wie von der Biene gestochen umher und taktet alles minutengenau. Wochenenden hat er keine, nur eine Winterpause - in der er dann größeren Projekten und Umbauten nachgeht.
Sein Hostel an sich ist wunderschön an einem steinigen, kleinen Fluss gelegen. Stellenweise hat es ein gewisses Camping-Flair, aber eigentlich hat es alle Annehmlichkeiten, die man braucht. Duschen konnte man in den großen, mit Felsen dekorierten Hallen des ehemaligen Onsen, mit Blick auf den Wald:
Da es auf den ersten Blick alles so cool schien, und wir gut im Budget lagen, beschlossen wir, noch kurzfristig umzubuchen. Eigentlich haben wir zwei Plätze in einem Tatami-Schlafsaal gebucht, doch da es sich so ergab, zogen wir gegen Aufpreis direkt in ein freies, privates "Häuschen" um. Das war ein umgebauter Zugwagon mit einem Zimmer im japanischen Stil, mit Klimaanlage, Glas-Schiebetüren auf beiden langen Seiten, Futon-Schlafplätzen und einem eigenen kleinen Außenklo.

Blick zum Fluss:
 Vordereingang inkl. Außenklo (links) und Waschbecken (rechts). Auf dem Weg vor der Hütte standen Kiwibäume.
Schlafecke:
Am letzten Abend mussten wir leider in ein normales Tatami-Privatzimmer umziehen, aber auch das war nice und bequem.
(Ich muss sagen, auf so einer Tatami-Futon Kombination schläft es sich verdammt gut!!! Zumindest für jemanden wie mich - ich kann ja eig nur auf einigermaßen harten Matratzen schlafen.)

Außerdem gab es einen Tatami-Gemeinschaftsraum mit Tischen inkl. Kotatsu (beheizte Decke, die unter die Tischplatte geklemmt wird und unter der man dann super nice die Beine wärmen kann an kalten Tagen):
Auch draußen gab es einen Gemeinschaftsbereich mit Blick auf den Fluss, ausfahrbarer Leinwand, Soundsystem und zahlreichen Sitzgelegenheiten aus Baumstämmen, sowie Kühlschrank mit Bier für je 200 Yen. Hier haben wir üblicherweise gegessen, auch wenn es ein bisschen frisch war.


Blick auf den Fluss:

Allein dieses Hostel bildete schon das halbe Abenteuer in Nikko. Man kam gar nicht drumherum, Zeit mit anderen Reisenden zu verbringen. Die Gruppe der Anwesenden war überschaubar, wenn auch jeden Tag ein bisschen anders. Die Atmosphäre war gesellig und jeder war dazu bereit, über seine bisherigen Erfahrungen zu erzählen und Empfehlungen für Nikko und andere Orte in Japan auszutauschen. Wir machten so manch eine nette Bekanntschaft. Witzigerweise waren stellenweise echt viele Deutsche da, komplett unabhängig von einander, so dass man schnell ins Gespräch kam. Das ist auch der Grund, weshalb ich zwischendurch keine weiteren Blogeinträge mehr geschrieben habe, die Abende waren einfach zu sozial, zu Bier und zu Sake.

Den ersten Abend haben wir nur verchillt, Füße ausgeruht und gequatscht. Was wir in den folgenden Tagen gemacht haben, schreibe ich in die nächsten Blogeinträge.

To be continued...


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