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Japan Tagebuch - Kyoto #1

Freitag - Mangas, Okonomiyaki und Nishiki Market

In Kyoto angekommen durften wir unser Gepäck im Hostel abladen, aber leider noch nicht einchecken. Wir schauten uns ein bisschen dort um und fanden ein paar Empfehlungen für Cafés, so dass wir uns entschieden, in einem davon zu frühstücken. Unser Weg dahin führte uns über den Nishiki Markt, ein relativ berühmtes Marktviertel in Kyoto. Um diese frühe Uhrzeit war es hier noch völlig unscheinbar, alles hatte zu.


 Wir trafen schließlich bei dem angepeilten Café ein.
 Leider stellte sich heraus, das ihr Frühstücksangebot nur Zeug mit Fleisch beinhaltete. Gab entschied sich daher (ein kleines bisschen wiederwillig aufgrund der bereits langsam eintretenden Überzuckerung) für einen Muffin/Kuchen. Tony zog solidarisch mit. Das Essen hier stellte sich als sehr fancy heraus und Tonys Schokokuchen war sogar mit Blattgold überzogen. Na hoppla!


Als wir fertig waren, hatten wir noch reichlich Zeit und auf Google Maps sahen wir, dass von unserem Standort aus ein Mangamuseum in der Nähe war. Wir gingen also hin. Das stellte sich als eine sehr gute Entscheidung heraus!


Das Manga-Museum von Kyoto befindet sich in einem alten Schulgebäude, in welchem die Klassenräume teilweise noch so erhalten sind, wie sie in der japanischen Nachkriegszeit waren. Gegründet wurde es von einer der Univerisäten in Kyoto, in dessen Design-Studiengang der erste Manga-Zeichenkurs der Welt gegeben wurde. Die Kuratoren sind Manga-Liebhaber der ersten Stunde, teilweise seit den 50er Jahren, und das merkte man auch. Sie hatten sich zum Ziel gesetzt, so viele Mangas wie möglich für die nachfolgende Generation verfügbar zu machen. Und auf einer Tafel am Tor stand, dass der Eintritt für Atombombenopfer frei ist. Schon auf den ersten Blick ein cooler Ort.

Nachdem wir den Eintritt gezahlt und durch den wundervollen kleinen Shop durchgekommen sind, durften wir das wahre Wunderland erleben, das dieses Museum zu bieten hatte: Drei Stockwerke, dessen Flure und Zimmer allesamt gepflastert waren mit bis an die Decke reichenden Regalen voller Mangas jeden Alters und Genres und teilweise mit verschiedenen Sprachen. Und bis auf einige wenige Ausstellungsexemplare durfte man ALLES in die Hand nehmen und lesen! Überall saßen Leute, jung und alt, und lasen. Und in diesem Museum hat wirklich nichts gefehlt. Wir hielten die ersten Bände von Astro Boy, One Piece, Dragonball, Sailor Moon, Berserk, Akira etc. etc. im Original in den Händen und blätterten durch. Manche Exemplare waren natürlich schon ein bisschen zerfleddert. Über 300.000 Mangas waren verfügbar, noch mehr sind im Archiv und von diesen werden manchmal obskure kleine Schätze ausgegraben und gesondert ausgestellt. Reichlich englischsprachige Infos gab es natürlich auch, von der Geschichte der Mangas bis hin zum Verdienst eines Manga-Zeichners. Fotos machen durfte man leider nicht in diesem Bereich, vermutlich weil die sich sonst wegen Copyright-Gedöns sorgen machen müssten. Trotzdem habe ich in einem der kleinen Seitenflure die Sünde begangen und ein heimliches Foto für euch geschossen, für einen Eindruck:



Um 11:30 Uhr gab es eine kleine Kamishibai-Show im zweiten Stock. Das ist eine traditionelle japanische Art des Geschichten-Erzählens, die oft als ein Vorgänger von Manga betrachtet wird. Darin werden in einem kleinen Holzrahmen mehrere gezeichnete Bilder hintereinander gelegt und der Erzähler zieht, während er die Geschichte erzählt, ein "Panel" nach dem anderen Weg, so dass das nächste zum Vorschein kommt. In der Show wurde die Geschichte des Superhelden "Ogon Bat / Golden Bat" erzählt, eine bekannte Kamishibai-Figur aus den 1930er Jahren, die später auch erfolgreich in Manga und Anime adaptiert wurde.
Hier ein Google-Bild von einem der Panels:


Eine der allgegenwärtigen Schulklassen war auch im Publikum der Show, und in einem kleinen Quiz vor der eigentlichen Geschichte (bei dem die Kinder Sammelkarten gewinnen konnten) wurde es entsprechend ohrenbetäubend laut. Aber auch Gab wusste mal die richtige Antwort (der Erzähler übersetzte fast alles, was er sagte, nochmal für uns auf Englisch und seine Panele hatten sogar englische Untertitel) und gewann einen kleinen Ring mit aufgeklebtem Halloween-Motiv. Wir wurden gut unterhalten und haben viel gelacht und die Kids sind vollkommen ausgeflippt, als Tony Gab einen ganz öffentlichen (*gasp*) Kuss auf die Wange platzierte.

Außerdem saß in dem Museum heute eine Zeichnerin an einem Pult und bot Portraits an. Wir schrieben uns in eine Liste ein und gegen 12 Uhr hatten wir dann einen Termin bei ihr. Das ist das Ergebnis:


Angesichts dessen, dass wir nach der Fahrt mit dem Nachtbus noch völlig schäbig aussahen, hat sie es doch ganz gut hingekriegt xD Um ihr Equipment hätte sie sicher auch so mancher beneidet.

Nachdem dieses Abenteuer uns einiger Stunden sowie unserer letzten Kraft beraubt hat, gingen mir mit laut knurrenden Bäuchen auf die Suche nach einem Okonomiyaki-Restaurant. (Okonomiyaki sind klassischerweise quasi Eierkuchen mit Kohl im Teig und verschiedenen Toppings).  
Wir wurden dank Google und öffentlichem Wlan bald fündig, und das Restaurant stellte sich ebenfalls als Erlebnis heraus: Das Essen wurde dir direkt auf den Tisch serviert, statt Tellern gab es eine heiße Tischplatte, auf der unser Essen fröhlich weiter knusprig briet, während wir aßen.

Vorspeisen:


Hauptspeisen:


Vorher:

Nachher:

Danach ging es zurück über den Nishiki Markt zum Einchecken im Hostel. Doch jetzt war er offen und voller Menschen. Auf dem Weg nahm Gab sich fest vor, nichts Süßes zu kaufen und nur zu gucken. 


Auch hier gab es, ähnlich wie in Tsukiji, unzählige Streetfood-Sonderbarkeiten. Im Gegensatz zu Tsukiji durfte man hier allerdings Fotos machen. Hier also ein paar Beispiele:

Käse-Igel:
 Das hier sind keine Zungen, sondern zusammengepresster Fischrogen:
 Gebratene Spatzen am Spieß:
 Mini-Oktopus-Tentakel und Wachteleier, zusammengesetzt und so eingefärbt (mariniert?), dass sie wie ein ganzer Oktopus am Spieß aussahen:
 Ganzer Tintenfisch am Spieß, anscheinend auch mit Ei drin?:
 Matcha-Gelee-Würfel in Matcha-Pulver. Ja, Gab war dann doch schwach und hat sich was gekauft... Zumindest war es weniger süß.

Wir kamen erst nach 17 Uhr im Hostel an und den Rest des kurzen Abends verchillten wir in unserem Zimmer.

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