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Ir(r)land Kapitel 4: Ennis - 3 Tage Luxusleben

Hier kommt dann wohl endlich mein leicht verspäteter erster Post im Städtetour-Kapitel. Ich habe nämlich einfach mal spontan nen Tag länger in Ennis verbracht als geplant, war so schön chillig.

Von Galway per hitchhiken weg zu kommen war wiedermal eine echte Kunst.... Ich habe den Bus nach Oranmore genommen, den nächstbesten Vorort von Galway, um irgendwie dem Großstadt-Effekt zu entkommen und nicht ewig mit meinem Backpack bis an den Stadtrand wandern zu müssen... Oranmore war aber wohl nich so ganz die beste Wahl. Ein ganz nettes Dörfchen unso, aber voller Kreisverkehre! Und wo auch immer ich mich hingestellt habe, hielten hin und wieder freundliche Menschen an um mich darauf hinzuweisen, dass auf dieser Straße fast alle Autos nach Galway fahren >__> Oranmore ist außerdem nennenswert überbevölkert von polnischen Immigranten (das ist Irland sowieso, aber Oranmore war echt krass o__O ), dafür hatte ich also ein paar sehr nette Gespräche. Und man weiß ja wie das is... wenn man zu nem Polen auch nur ein Wort polnisch spricht, wird man sofort behandelt als wär man ein Teil der Familie :)
Naja es hat jedenfalls eine Weile gedauert, aber irgendwann kam ich dann endlich in Ennis an. Ich bin echt jedes mal (nach inzwischen 18 Hitch-Rides) erstaunt, wie nett die Leute sind, die einen so mitnehmen. Bis auf einen Typen heute auf dem Weg nach Tralee, der war nett, aber ühühübelst seltsam. Er war ein älterer Mann und machte einen geordneten Eindruck, erzählte mir aber irgendwann was vonwegen er hätte für 3 Mille ein Schloss kaufen können, hätte 9 Jahre in den USA im Knast gesessen weil er ne Gefahr für die US-Regierung gewesen wäre, weil er nem FBI Agenten Gras vertickt hätte oder weil er bei der IRA gekämpft hat oder was auch immer... er hat einfach ziemlich viel Kaudawelsch gelabert, nachdem er die laute Trance-Musik in seinem Auto ausgeschaltet hat. Dann hielt er bei nem Schloss in der Nähe von Tralee an und forderte mich auf es mir anzugucken, als ich ablehnte drehte er sich ersma einen Joint und rauchte den friedlich aufm Parkplatz (außerhalb vom Auto wohlgemerkt... aber ernsthaft, die Iren kiffen mehr und offener als die Holländer....), danach fuhr er vllt 5 Minuten weiter und hielt wieder an um sich nen Kaffee zu kaufen. Da verabschiedete ich mich und lief den Rest des Weges in die Innenstadt. Zum Glück war es nich mehr weit. Seltsamer Kerl o___O

Naja zurück zu meinen Erlebnissen im schönen Ennis. Das Hostel war wirklich übelst cool. Richtig Luxuriös. Die erste Nacht hatte ich ein riesengroßes Zimmer für mich allein, mit einem Badezimmer, das einem Hotel ebenbürtig wäre und einem Balkon und Ausblick auf den Fergus River... für nur 9 Euro die Nacht. Hammergut. Das einzige Problem war, dass ich eigentlich Glück hatte, dass die überhaupt noch offen hatten. Die machen nämlich leider dieses Wochenende schon zu weil nix los ist. Naja ich machte mir nen chilligen Abend und am nächsten morgen wanderte ich den lieben langen Tag in der Stadt herum. Is wirklich toll einfach hin zu gehen, wohin es einen gerade verschlägt, in dem Tempo, in dem man Bock hat, und sich mit nix und niemandem befassen zu müssen. Hab ich sehr sehr genossen.
Ennis is wirklich ne sehr hübsche kleine Stadt. Die haben nen altes Kloster und jede Menge Kunst und Kultur. Überall Statuen und Wandmalereien in der ganzen Stadt, bunte Häuser sowieso und ein cooles Museum. Ich zeig euch einfach mal die Fotos...

Mein Hostel. Mein Zimmer is das im ersten OG mit dem Balkon gewesen.^^
The Ennis Friary -  das älteste Gebäude in Ennis ist ein Kloster. Was aber leider zu weil wegen Saison....

Le Fergus River. Schön, breit, wild und schneller als es aussieht.

Das Courthouse inmitten eines chilligen Parks.

Der Fergus River und eine leicht überschwemmte Wiese dahinter. Scheint wirklich ein Paradies für Vögel zu sein, hab echt alles mögliche dort gesehen (wenn man sich dieses Bild ganz genau anguckt, sieht man einen Graureiher in der Mitte.)

Ein sehr, sehr, seeehr altes stillgelegtes Wasserrad.

Eine der vielen Statuen in der Stadt. Die meisten sind eher abstrakt gewesen, das hier is mir aber noch am deutlichsten aufgefallen.

Die Iren und ihr Sport :) Ich will immernoch mal nen Hurling Match mit eigenen Augen sehen, aber die Saison is vorbei.
Die Natur ist nur einen steinwurf außerhalb der Stadt.

Straßenkunst in einer Seitengasse

Das hier is mir erst auf den zweiten Blick aufgefallen xD
Mehr Kunst...
Noch mehr Kunst xD Diesmal, sinnvollerweise, an einem Süßigkeitenladen ;)
 Naja nachdem ich meinen Tag mit Sightseeing und im Museum verbracht habe, ging ich am Abend noch in einen der Pubs um mir etwas live Musik anzuhören. Man kann ja nich nach Ennis gehen ohne dies zu tun!!! Und glücklicherweise gibt es das auch außerhalb der Saison^^ Ich war vorher einem jungen Australier in meinem Hostel begegnet, und als wir uns in einem Pub wieder trafen, hingen wir einfach auch den Rest des Abends miteinander ab. Ich wollte eig gar nich so lange unterwegs sein, denn ich hatte mir noch eine weitere Nacht im Rowan Tree Hostel bestellt, weil ich vor hatte, am nächsten Tag noch eine Fahrradtour einzulegen. Aber daraus wurde nix. Wir gingen nach der Traditionellen Musik noch in Knox's Bar, wo eine junge  Band nen richtig guten Mix gespeilt hat... so nen Rock / Rockabilly / Traditional Irish / Disneysongs / Soul - Mix... was auch immer. War jedenfalls geil^^ Und ich kam mit einer älteren Frau aus Kilcolgan ins Gesrpäch. Sie fragte mich woher ich komme und meinte dann zu mir, dass sie auf den ersten Blick gesehen hätte, dass ich nich aus Irland komme. Als ich sie fragte, wie sie das bemerkt hat, meinte sie "Darling, you got travel in your eyes." Ich war davon ganz schön gebasht. Positiv natürlich^^ Im nachhinein, als wir das noch ein bisschen mehr analysierten, meinte sie auch, dass ich viel zu zuvorkommend bin für einen Ennis-Einwohner und mich außerdem zur Musik hin drehe, was die an Livemusik gewöhnten Iren weniger machen. Interessante Beobachtungen, echt^^ Ich genoss meinen Abend, versuchte aber so gegen halb 2 im Bett zu sein - meinen Fahrradtour-Plan hatte ich noch nich aufgegeben.
Doch am nächsten Morgen besiegte mich dann doch der innere Schweinehund und ich lag noch stundenlang im Bett. (Man muss einfach früh los, weil die Sonne so früh untergeht, wisst ihr ja.) Und dann strafte mich der Ausblick nach draußen auch noch mit herrlichem "Haha-du-verpasst-den-einzigen-Sonnentag-in-der-Woche" Wetter x[ Als ich aber ein bisschen überlegte, gab es eigentlich keinen Grund, mich aufzuregen. Ich beraubte mich lediglich selbst um einen Tag in der Natur, niemanden sonst, und ich habe niemandem rechenschaft dafür abzulegen. Und nen schönen Tag machen kann ich mir immernoch; keiner sagt, dass er verloren ist. Ich muss sagen, ich finde alleine zu reisen gar nicht so übel, nach all den Tagen mit Gesellschaft in und um Galway.
Ich beschloss, mir Mittags mal den Wochenmarkt anzusehen, wo ich wieder mit vielen Polen gelabert hab, und am Abend Rise of the Guardians im Kino anzugucken. War auch ne sehr gute, chillige Idee^^ War in dem kleinen Kino auch fast allein.

Naja und mir dann am Abend noch nen feinen, billigen Fisch gebraten. Ich muss aber sagen, dass ich echt glaube, übelst zugenommen zu haben auf meinen Reisen. Jeden Abend fühle ich mich völlig überfressen. Großartig was daran ändern kann ich aber nich... Ich wechsel so oft die Location, ohne dabei in der Lage zu sein, großartig was zusätzliches zu transprotieren. Außerdem bin ich auf Low Budget. Wo auch immer ich also lande, ich suche meistens am ersten Abend nen Aldi oder Lidl auf und versuche mehr oder minder für 2-3 Tage einzukaufen. Nun haben diese Läden aber meist nicht gerade die kleinsten Portionen bei ihren Extra-Billig produkten. Wegschmeißen is nich also muss ich das Zeug auch aufbrauchen... ich hab aber oftmals überhaupt keinen Hunger über das Frühstück hinaus und so bin ich Abend für Abend einfach mal viel zu voll.... heute hab ich einfach mal gar nicht gekocht und nur Kekse und Tee zum Abendessen gehabt, und ich fühl mich wunderbar. Und das obwohl ich den lieben langen Tag mit 20 Kilo aufm Rücken auf den Straßen Irlands rumgeeiert bin.

Apropos die Straßen Irlands... hitchhiken macht immer recht viel Spaß aber mein heutiges Erlebnis in Limerick war doch nennenswert schön... Limerick is berüchtigt als eine der gefährlicheren Städte Irlands und ich wollte da nich bleiben. Ein Familienvater hatte mich an einer Ausfahrt rausgelassen die Richtung Tralee ging und ich stand da für ne gute Stunde, mit ganz vielen Fahrern die mich zwar anlächelten, aber nich anhielten. Und dann hielt irgendwann ein junger Mann aus Lettland an, in einem recht abgewrackten kleinen Auto und etwas punkiger Frisur... mit faszinierend glänzenden Augen. Er meinte, ich stände an einer doofen Stelle weil die Straße zwar theoretisch nach Tralee führt... aber primär richtung Innenstadt geht. Er fuhr mich also quer durch Limerick bis an eine bessere Stelle. Während der Fahrt fragte er mich, ob ich religiös sei. Er erzählte mir von seinen eigenen Reisen und von einer Geschichte, wo er mal hoffnungslos in England stecken geblieben ist, und so am Boden war dass er an Gott um Hilfe gebetet hat. Er sagte, als er so da saß im Bahnhof, gestrandet, ohne viel Geld, ohne möglichkeit irgendwen zu kontaktieren, flog ihm auf einmal eine Taube fast ins Gesicht, machte einen Bogen und blieb vor ihm stehen. Als er aufstand um ihr zu folgen, brachte sie ihn zu einem Handyladen. Mit seinen letzten Pfund kaufte er sich eine simkarte, steckte sie ins Handy dessen Akku leer war, und auf einmal ging das Handy an. Er konnte bei seiner Schwester anrufen und konnte sich so retten. Und er hatte wirklich viele solcher Geschichten auf lager. Er legte mir wärmstens ans Herz, auch wenn ich soweit nich gläubig bin, im Hinterkopf zu behalten, dass ich nie alleine bin. Irgendwie hat mich das berührt. Er schenkte mir 10 Euro und ich habe nicht vor sie auszugeben, bis ich eines Tages vllt wirklich in der Klemme stecke.....

Wer weiß, wie sehr mich das Reisen vllt eines Tages verändern wird....


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