Hi Leute. Die Woche, die ich noch in Irland frei herum gereist bin, kommt heute zu ihrem Ende. Morgen fahre ich dann endlich nach Kenmare, zu meiner neuen Arbeit. Ich bin schon ganz gespannt.
Der mittlerweile 6te Flug in meinem Leben unterschied sich schon wirklich drastisch von meinem ersten. Angst gibt es gar nicht mehr, eher Staunen und Freude, wenn ich sehe wie schön es unter mir ist und nicht mehr der Gedanke "oh mein gott, scheiße, gottverdammt, das ist wirklich verdammt scheiße hoch x__x". Noch etwas ist mir aufgefallen: Als ich im Oktober zu meinem ersten Flug nach Irland aufgebrochen bin, war es mir so unangenehm und klaustrophobisch am äußeren Rand der Sitzreihe zu sitzen, obwohl es dort kein Fenster gab, weil ich das Gefühl hatte, ich hätte erstickend wenig Platz. Die Innenwände der Flieger sind ja leicht nach innen gekrümmt. Also saß ich seither immer auf dem Mittleren von drei Plätzen, weil ich mich da wohler fühlte. Dieses mal bemerkte ich, dass diese Wände ja eigentlich gar nicht so krass gekrümmt sind und durchaus genug Platz da ist. Schon erstaunlich was die Wahrnehmung so mit einem macht^^
Also dann, was habe ich so erlebt? Ich war die meiste Zeit in den zwei großen Städten, Dublin und Cork. Ich bin in Dublin auch etwas länger geblieben als geplant, da mein Hostel in Cork zunächst ausgebucht war und es mich somit billiger kam, erst einmal im "Barnacles" in der Temple Bar zu bleiben. War aber gar nicht so übel. Nachdem ich meinen ersten Abend mit eigentlich nichts anderem als One Piece zugebracht habe, machte ich mich dann am Mittwoch doch noch auf einen kleinen Spaziergang. Ich wollte die Trinity University und die St. Patricks Cathedral nochmal sehen, die auf meiner Klassenfahrt vor 4 Jahren meine Lieblingsorte waren. So tat ich dann auch. Die Trinity hat sich im Gegensatz zur Stadt Dublin überhaupt nicht verändert, muss ich sagen. Alles ist noch so elaboriert und sauber wie ich es in erinnerung habe. Aber wo ich mir früher vorgenommen habe, auf jeden Fall eines Tages in der Trinity zu studieren, kann ich das jetzt nur abwinken. Die Uni selbst is ja echt toll, aber ich hab in Dublin irgendwie nichts zu suchen. Teuer ist es zudem auch: 450 Euro Kaltmiete aufwärts, für nen Zimmer in ner WG. Hat mir nen Mädel erzählt die dort zurzeit ne Wohnung sucht für ein Auslandssemester. Sie hat den Psychologie Master in Leipzig gemacht, und was sie mir erzählt hat hat mich noch mehr bestärkt, lieber dort hin zu gehen^^
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| Die Aussicht auf den Hof der Trinity. |
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| In Dublin ist schon Frühling.... |
Das versüßte mir wirklich den Tag^^ Ich ging also rein in diese Ausstellung, die so eine Mischung aus Retro- und Future-Game Design, Wissenschaft und Psychologie war. Überall konnte man mitmachen und selber austesten. Gleich am Eingang war eine Station, wo man eine Brille aufbekam, von der aus man sich selbst von Außen sieht als würde man eine Figur auf einem Spielfeld sein. Damit musste man dann versuchen, sich durch ein (auf den Boden gemaltes) Labyrinth zu bewegen. So ein bisschen als würde man sich selbst als Pacman sehen, nur nicht komplett aus der Vogelperspektive sondern eher angewinkelt^^ Ich hab mich daran versucht und war vergleichsweise gut darin, aber ich glaube Gamer haben es da auch einfacher. Die "Steuerung" erinnerte mich ein bisschen an die alte Silent Hill Steuerung (weißt du noch Matthias, wie wir bei SH 3 ständig gegen Wände gelaufen sind weil wir damit nich klar kamen? xD).
Mir wurde gesagt, dass das bisher nur eine Spieleidee ist und nicht für wissenschaftliche Zwecke genutzt wurde. Mich würde es ja übelst reizen damit ein paar Experimente zu machen x3
Was mir außerdem noch sehr gefallen hat war die Ecke, wo Spiele zur Unterstützung von Therapien gezeigt wurden. U.a. ein Spiel zur Verlangsamung von fortschreitender Demenz und ein Spiel zum Training von Stressbewältigung, was ganz ähnlich war wie Mitners Biofeedback bei ADHS. Es hieß "Relaxing Race" und dabei bekam man einen Sensor in die Hand, der das Stresslevel maß. Je ruhiger man war, desto schneller und höher flog ein Drache auf dem Bildschirm und man konnte das gegen einander spielen^^ Meine Fresse hat mir das Spiel gefallen xD Dabei war ich erst gar nicht mal so gut darin^^
Die einzige Station, mit der ich mich nicht ausgiebig beschäftigt habe, war die Station, an der man sich einfach mal fix sein eigenes Spiel designen konnte. Dort war eine Reihe Laptops aufgestellt mit dem Programm "Scratch" drauf und nem Heft mit ner Anleitung. Mir war das ein bisschen zu Zeitaufwendig und ne Idee hatte ich eh nicht, aber interessant ist das Programm schon gewesen. Vllt vor allem für euch, Timur und Kojo. Zum Ausprobieren und rumspielen vllt. Es schien recht Einsteigerfeundlich zu sein.
Am Abend bin ich dann noch zur St. Patricks Cathedral gegangen, um mir den Chor nochmal anzuhören. Ich kam ein bisschen zu spät, aber gelohnt hat es sich trotzdem. Hilft einem echt beim Abschalten.
Also dann ging es erst am Donnerstag schließlich nach Cork. Diesmal hab ich mir ne Busfahrt geleistet, weil es wohl ein Ding der Unmöglichkeit gewesen wäre, aus Dublin raus zu kommen UND dann auch noch so eine weite Strecke zurückzulegen solange es hell ist. Zwischendurch hab ich wieder Pokemon auf meinem Handy gespielt, hehe xD Hab auf diesem Spielstand mittlerweile schon wieder über 100 Stunden Spielzeit.... du meine güte....
Am Abend bin ich noch ein bisschen durch Cork gelaufen, um mir Milch zu besorgen. Irgendwie... gefällt es mir dort. Die Gegend in der ich war hatte so ein industrielles Feeling. Lange dunkle Straßen mit orangener Beleuchtung, Backsteinmauern, alte Bahnhofsgebäude.... ein bisschen erinnerte es mich an die Speicherstadt in Hamburg, nur weniger "touristig". Den Rest des Abends verbrachte ich damit, "Maus" zu lesen, diesen Comic über den Holocaust. Eigentlich könnte man meinen, jemand der in Deutschland zur Schule gegangen ist, hat die Nase schon gestrichen voll von dem Thema. Aber aus irgend einem Grund konnte ich es nicht aus der Hand legen, bis ich den ersten Band nach Stunden komplett durchgelesen hatte. Es ließ mich einfach nicht in Ruhe. Kann ich durchaus weiterempfehlen. (Ich hab's als E-Book, falls jemand daran Interesse hat.)
Am nächsten Tag machte ich mich auf, diese zweitgrößte Stadt Irlands zu besichtigen, die "City of Rebels", wie die Corker sie stolz nennen. Und das nicht ohne Grund. Kein Ort in Europa hat im 19. Jahrhundert auf so kleinem Raum eine so intensive Mentalität der Rebellion gehabt, wie Cork. Innerhalb von 60 Jahren hatten sie 4 größere Aufstände, und das z.T. lange vor dem irischen Unabhängigkeitskrieg. Davon gibt es auch ein Monument:
Und überall Schilder, die an wichtige Leute erinnert haben:
Man kann sich vorstellen, wie sehr der Rebellions-Gedanke in den Köpfen der damaligen Corker eingebrannt war, wie sehr es sie definierte. Und ein bisschen ist das auch bis heute spürbar. ^^
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| Hahahaha xD *Grumpy Cat would be proud of you*^^ |
Die Corker sind ein stolzes Völkchen, "the best in Cork" zu sagen gilt als viel viel besser als "the best in the world". Sie sind außerdem verdammt witzig und übelst aufgeschlossen. Allein beim Fotografieren auf der Straße wurde ich schon von einer Frau angesprochen, die mit mir einfach so eine Unterhaltung anfing. Und als ich am Tag zuvor nach meinem Hostel gesucht hatte, halfen mir gleich 3 Corker und liefen sogar ein Stück mit mir mit.
Kein Wunder, dass ich auf meinen bisherigen Reisen immer gerne mit Leuten aus Cork zu tun hatte^^ Und ich muss sagen... diesen Akzent kriegt man tatsächlich ein bisschen schneller hin, als andere irische Akzente. Der hängt einem schon nach kurzer Zeit echt im Ohr^^ Ich erwisch mich jedenfalls hin und wieder dabei, wenn ich nicht nachdenke, so zu "Hillwalken", wie die Corker es bezeichnen, weil ihr Sprechen wie die Hügel um Cork sanft auf und ab geht.
Meinen ersten Eindruck von Cork muss ich allerdings leicht revidieren. Es ist in jeder Himmelsrichtung enorm unterschiedlich. Im Nordosten, da wo ich gewohnt hab, war dieses gewisse industrielle Feeling. Ein Geruch, der entfernt an frisches Gras erinnerte, durchzogen von dem Geruch von Reifen und Benzin... hatte für mich so ein bisschen was von einem "Zuhause"-Gefühl. Die Häuser waren alt und die hohen Mauern von Pflanzen durchzogen. Alles wirkte ein bisschen abgewrackt und dreckig, aber dennoch sah ich auf den Straßen keinen Müll (so wie in ganz Cork nicht, erstaunlicherweise).
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| Eine der durchwachsenen Mauern. |
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| In diesem Gebiet stand an einer Kreuzung diese Kirche, die inmitten all der Industrie wirklich deplaziert aussah. |
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| Hinter einem Durchgang hinter zwei alten Häusern stieß ich plötzlich auf dieses in Klippen eingebettete Restaurant. Voll luxuriös. |
Nur wenige Minuten hinter den hohen Mauern in Richtung Stadtzentrum Ost war der riesige Hafen. Sofort stieß einem der Gerüch von Salz und Meer in die Nase, ein bisschen auch von Stahl und Fisch, für mich ebenfalls ein sehr bekannter Geruch, so ein bisschen wie im Emdener Hafengebiet. Am Hafen trafen sich die vielen Flussarme des "Lee", der durch Cork fließt wie Adern durch eine menschliche Hand, was früher Cork zu einem perfekten Standort für die Seefahrt machte. Früher, da war Cork von Wasserstraßen geradezu durchzogen, heute sind die meißten dieser Kanäle mit Straßen überbaut. Man brauchte halt irgendwann breite Straßen für die vielen Autos. Im Prinzip fließt also in Cork unter jeder breiteren Straße ein Fluss und so sind diese Straßen dann auch geformt. Ganz interessant^^ Enge Straßen hingegen sind noch genau so, wie sie einst waren. Heute gibt es nur noch zwei Hauptarme der Flüsse, die um das Stadtzentrum herumfließen.
Ein bisschen weiter im Süden machte ich Pause in einem kleinen Park und stieß auf einen Baum, der mir irgendwie befremdlich vorkam. Erst bei näherem Hinsehen bemerkte ich, warum:
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| Eisblumen? Is doch gar nicht kalt..... |
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| Dann sah ich es: Dieser Baum war KOMPLETT künstlich. Vom Stamm bis zu den Blüten^^ Inmitten all dieser normalen Bäume war das echt ein cooler Anblick^^ |
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| Dieses Bild wurde NICHT bearbeitet.^^ |
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| Und in den Toren waren die "Augen Notre Dames", wie es mir in den Ohren klang, als ich sie sah^^ Ihr wisst schon, wie in dem Disneyfilm..... |
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| Alter Friedhof hinter der Kathedrale. |
Nach einer Weile Hügelwanderung durch die südlichen, sehr britisch wirkenden Wohngebiete, kam ich wieder zurück ins Stadtzentrum zu den schönen Einkaufsstraßen.
Dann bin ich weiter in den Nordwesten gegangen. Meine Wanderung im Zickzack und Kreuz und Quer durch die Stadt ging da schon gut vier Stunden lang. Ich richtete mich dabei nach bunten kleinen Schildern, die Wanderrouten anzeigten und hin und wieder zu Infobrettern führten. Ein bisschen war das schon wie eine Schnitzeljagt... Jedenfalls brachte es mich, die ich doch immer an allem vorbeigucke, dazu, mal überall ganz genau hinzusehen damit ich keines dieser verdammten kleinen Pfeile übersehe xD
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| Im Theater dort war gerade täglich eine Alice im Wunderland aufführung :) Leider kostete es 20 Euro Eintritt :( |
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| Bronies.... have left their marks here o___o |
Am Sonntag wurde ich von einem der Leute, mit denen ich gefeiert hab, dann auch noch zu nem kleinen Trip nach Kinsale gebracht, einem hübschen, winzigen Dorf an der Südküste von Irland. Er geht dort immer surfen, sagte er. Hübsch war es, und es gab surfer, obwohl Ebbe war.
Nun bin ich wieder in Killarney und habe schon fast völlig verdrängt, wie schlecht die hier heizen x[ Mir is andauernd kalt. Was solls. Für morgen ist alles arrangiert und ich freu mich schon übelst :) Langer Post ist lang^^
Cya Leute!!!































2 Kommentare:
Heya,
genial zu hören, dass unser ehemals träges Gab mit neuer Energie zurück in weitere Ir(r)land-Abenteuer aufgebrochen ist.
Bei den schönen Bildern von der Trinity einem Empfang mit so einer Ausstellung ist es ja fast schade, dass du Gedanke dort zu studieren vollkommen abgelegt zu haben scheinst. Kann mich noch erinnern, wie wir angefangen haben, uns gemeinsam darüber zu erkundigen... *sinnlos in Erinnerung schwelg*
Aber was ich eigentlich sagen wollte: Ich hab da noch ein Argument für Leipzig für dich! Hab nämlich im November in nem research seminar einen Vortrag zum Thema "Attitude embodiment in virtual environments" von Cade McCall gehört. Dieser Typ setzt die Probanden in seinen Experimenten tatsächlich in virtual environments aus - einfach nur... 20% cooler!! Ich war echt saubegeistert als ich davon gehört hab (du kannst deine Probanden praktisch direkt erschießen, oder auf grausamere langsamere Art und Weise töten, während sie sich wirklich inmitten dieser Situation befinden), glaube ich hab Kojo davon vorgeschwärmt als sie mich besuchen kamen. aber das beste für dich: das ganze passiert wo? Am Max-Planck-Institut in Leipzig xD
Na, wen von euch Gamern kann man damit noch überzeugen, dass Forschung einfach awesome ist?? Umgekehrt muss auch zugeben, dass ich in diesem Fall für Games zu haben wäre :P
Sounds endlessly awesome *---*
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