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Ir(r)land Kapitel 1: Glendalough - Der schönste Spaziergang meines Lebens

So hier mein zweiter Post heute Abend:

Vorwort: Nie im Leben habe ich mir mehr gewünscht, eine Spiegelreflex zu besitzen, als vergangenen Freitag. Die Fotos, die ich für euch gemacht hab, spiegeln nicht im geringsten die Schönheit und die schieren Dimensionen dessen, was ich gesehen hab, wider. Es ist zu schade. Belebt diese zweidimensionalen kleinen Handybilder am besten mit eurer Fantasie, dann wirds schon klappen.

Danksagung: An meine Schuhe, die mir entgegen aller Erwartungen einen epischen Muskelkater und furchbare Blasen erspart haben<3

Am Freitag hab ich endlich mal meinen freien Tag in Anspruch genommen und habe mich nach Glendalough fahren lassen. Glendalough ist nicht weit von Wicklow entfernt und besteht aus zwei Seen (daher der Name: "Gleann Dá Loch" heißt "Glenn der zwei Seen"). Drumherum sind Berge und das Ganze ist ein irischer Nationalpark.
Man kann dort unterschiedliche Routen laufen und so verschiedene Orte sehen. Eine der längsten und die wohl bei weitem schönste Route ist die "White Route" und diese bin ich dann auch gelaufen. Sage und schreibe 6 Stunden lang. Ich bin diesmal nicht vom Weg abgekommen, die Route is tatsächlich so lang und führt einen tief in die Berge rein. Dort gibt es Hirsche und Bergziegen und wilde Peregrin Falken und ganz viele Touristen, zumindest Freitags. (Ok, so viele nun auch wieder nicht. Bin auf meinem Weg vllt nem Dutzend begegnet).
Diese White Route ist eine Hiking Route und darf offiziell nur mit entsprechendem Navigations-Equipment und Know-How betreten werden (was ich beides nicht besitze) aber es gab keine großen Probleme, außer dass ich teilweise mehr darauf gucken musste, wohin ich trete, als auf die wunderschöne Natur xD
Ich bin also offiziell Hiking-Entjungfert. Und das auf einem der schönsten Spaziergänge meines Lebens. Nun aber genug der Plauderei, ich erzähl euch meine Eindrücke erst einmal von Anfang an:

Bevor ich zur White Route kam, musste ich erst einmal die Green Route laufen, die überhaupt einmal bis zum großen Upper Lake geführt hat.
Die Green Route führt einen zunächst einmal an der Monastic Village vorbei... einem Dorf, das wohl irgendwo im 4ten Jahrhundert seine Anfänge fand und dann am meisten zwischen dem 10ten und 12ten Jahrhundert bebaut wurde. Mitten drin ein alter Friedhof, der bis heute benutzt wird. Alles so klein und doch so ehrerbietend.




Die Green Route führte mich dann durch einen Wald, den ich mit keinem anderen Wort als "märchenhaft" bezeichnen kann. Alles daran wirkte so alt und verwachsen und die Pflanzen standen manchmal so dicht, dass es genausogut eine Felswand hätte sein können. Morsche Stämme, langes Moos und schroffer Fels... ich war so fasziniert von diesem Wald, das ich mir manchmal wirklich gedanken machte, ob hinter diesen Pflanzenwänden nicht vllt doch ein geheimer Garten war, von Feen bevölkert. Oder ob diese kleine Felsspalte nicht vllt doch einen Imp beinhaltet.


Am Lower Lake kam ich ebenfalls vorbei. Es war übrigens nicht gerade der gemütlichste Tag. Die Temperaturen waren so zwischen 2° und 5° und es hat hin und wieder genieselt, das hat mich aber beides nicht weiter gestört.


Nach einer halben Stunde etwa ging es endlich zur White Route. Da die ein mal im Kreis geht, konnte ich mich entscheiden ob ich den flachen oder den steilen Anstieg laufen will... ich hab mich für den steilen entschieden und diese Entscheidung nicht bereut.

Die White Route führte zunächst einmal am Poulanass Waterfall entlang. Der war ganz schön lang, also ich meine, man konnte gut 10 Minuten daran langlaufen, der ging einfach immer weiter und weiter. Der schnitt sich wirklich wie ein Messer durch den gesamten Fels und ich hab gelesen, dass dieser Wasserfall daran schuld ist, dass der Glendalough, der einst ein einziger See war, geteilt wurde, weil so viel Fels in den See gespült wurde.

So führte mich mein Weg weiter einen märchenhaften Pfad entlang.


Zwischendurch hatte es aufgehört zu regnen und die Sonne kam durch. Und wenn mal der Wind kurz wehte und die Tropfen von den Blättern schüttelte, die dann in der Sonne glänzten.... atemberaubend. Und leider nicht mit einer Handycam erfassbar.
Auf jedenfall konnte ich in diesem Augenblick gut verstehen, weshalb Menschen an Elfen und Einhörner glauben (und zwar nicht in einem mädchenhaften, sondern in einem mystischen Sinne).


Irgendwann gab es dann eine Biegung, die nur für den White Path bestimmt war. Sie kam abrupt und führte schnurstracks in den Wald. Schilder wiesen darauf hin, dass man auf dem Holzweg bleiben sollte, um die Natur zu schützen. Fein fein. Noch nie war ich so lang auf einem so schönen Holzweg^^ (Und Matthias: ja, ich bin ihn auch zu ende gelaufen! xD)
Da begann erst der wirklich steile Teil. Die zunächst chillig flache Treppe schlängelte sich bald im 45°-60° Winkel nach oben und das gut eine halbe Stunde lang. Hätte nie gedacht, dass ich je so hoch kommen würde, aber ich war jedes mal stolz auf mich, wenn ich mal zurück blickte und sah, wie weit es nach unten ging. (Keine Sorge, ab und zu gab es ein paar Geländer zur Sicherheit).

.... und dann plötzlich: BÄM - Blieb mir der Atem weg. Auf einmal war ich aus dem Wald heraus getreten und überblickte eine gewaltige Landschaft von so einer Schönheit, dass ich nach etwa 2 Minuten fassungslosen rumstehens Tränen in meinen Augen bemerkte.

Klickt gerne mal auf Vollbild, auch wenn die Quali nicht die Beste ist!  Vor mir waren Klippen, an denen es steil herab ging, was ich natürlich alles nicht erfassen konnte.Vllt gibt es ja irgendwann 3D-Fotoapparate.


Nach einiger Zeit konnte ich dann auch den ganzen See überblicken:

Und mein Weg führte mich immer weiter, an diesen unglaublichen Klippen entlang. Der Berg, auf den ich dabei zwischendurch stieg heißt "An Spinc".



Wozu braucht man Navigationskenntnisse, wenn man einen Holzweg hat? <3

Eine weitere Sichtung des mysteriösen Fußes! Warnung, er IST gefährlich!


Ein Prachtexemplar der traditionsreichen irischen Kunst, Fremdlingen die Orientierung zu erschweren. (Zur Erklärung: Im Nationalpark gab es Pfosten mit bunten Pfeilen und für den White Path musste man natürlich den weißen Pfeilen folgen... soweit jedenfalls die Theorie....)
Irgendwann endete mein schöner Holzweg und ein etwas schroffer Steinweg begann, als ich die Klippen hinter mich ließ. Es ging in einer Kurve ins Tal hinein und die Landschaft war zunehmend von Granit geprägt.

Hmmm irgendwelche namenlosen Ruinen....

Steinweg :<

Hier war ich bereits mehr als drei Stunden unterwegs. Vllt hilft euch diese Zeitangabe ja dabei, die gewaltigen Dimensionen einzuschätzen.
Irgendwann kam ich dann endlich an der Spitze der White Route an: Eine kleine Holzbrücke über einem Felsbach, der das Tal durchschnitt. Ab diesem Punkt kehrte der Weg wieder zurück in Richtung Anfangspunkt, nur eben auf der anderen Seite des Sees.


Ich hörte und sah auch Hirsche! Gang ganz nah! (Natürlich sieht das auf den Bildern nich so nah aus, aber was solls....)
Auch von unten aus gesehen ist Glendalough wunderschön:


Auf dem Rückweg wurde der Pfad, an dem ich entlang lief, irgendwann immer unkenntlicher. Schließlich löste er sich ganz in einer Felslandschaft auf. Sich zurecht zu finden war dennoch nicht so schwer, die steilen Felsen zur linken und der Fluss zur rechten gaben einem nämlich nicht großartig eine Wahl, wo man lang laufen konnte. Der Abstieg wurde dennoch recht abenteuerlich und hat mir ziemlich Spaß gemacht^^ Man musste nicht großartig klettern aber durchaus mal von Fels zu Fels springen, sich nen Meter herabrutschen lassen oder sich zwischen den Felsen hindurch-krebsen.
Als ich mir die Granitlandschaft zu meiner Linken so ansah, konnte ich aber nicht umhin an meine Freunde zu denken. Vor allem wurde ich einfach die Vorstellung nicht los, wie Kojo, Joe und Hanu an einfach jedem einzelnen gottverdammten Felsen hochklettern mussten, so unweigerlich wie das nunmal in ihrer Natur liegt^^ Aber verdammt nochmal, dort gab es einfach krass viele coole Felsen! Und die sehen auf diesen Bildern auch noch so klein aus!
Lasst euch von der Perspektive nicht lumpen, die Spitze dieser Felsen war etwa parallel zu den Klippen, auf denen ich vorhin gelaufen bin. Das ging einfach mal verdammt weit nach oben. Entsprechend groß waren diese Felsen. Ich wünschte ich hätte einfach mal irgend einen Touristen ins Bild stellen können, damit ihr ne Relation habt....


Irgendwann stieß ich dann auch noch auf die Ruinen eines alten Bergarbeiter-Dorfes...

 ...Und die zwei weißen Punkte auf diesem Bild sind die galanten Ärsche von Bergziegen:


Danach versagte der Akku meines "Outdoor"-Smartphones. Naja, es hat fast bis zum Ende durchgehalten, so lange hätte ich es nicht eingeschätzt. Irgendwann nach dem Bergarbeiter-Dorf, bei dem der Weg irgendwann von Bächen durchkreuzt war und sich völlig verlief, kam man dann schließlich an einen Nadelwald und dann auf einen Asphaltweg. 6 Stunden war ich gelaufen und ich war von Herzen erfrischt. Ich hatte noch die Gelegenheit, mich ein bisschen hinzusetzen und mir den See noch etwas anzusehen, und als ich dann schließlich wieder an dem Monastic Village entlang kam, war auch schon Sonnenuntergang und es tauchte die Ruinen in ein traumhaftes goldenes Licht.

Es war einfach nur der Wahnsinn. Ich bin so dankbar, dass es mir möglich gemacht wurde, sowas zu sehen.....

Total müde Grüße,
Eure Gab

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4 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

wunderschöne bilder. man bekommt schon ne kleine vorstellung wie schön es da aussehen muss. aber die realität sieht wohl noch beeindruckender aus. Ó.Ò

Dreamchaser-gab hat gesagt…

:)

Anonym hat gesagt…

Maaaan was bin ich neidisch auf dich!! Ich freue mich aber auch sehr für dich, dass du so eine tolle Erfahrung machst :)
LG Kati

Egle hat gesagt…

Irland und ihre märchenhafte Natur - ich kanns kaum erwarten es selbst zu sehen und in träumereien zu versinken.. :3
Ich würde da jetzt auch so gerne wandern :/
Vielleicht können wir ja wenn Anna und ich dich besuchen mal wandern gehen vielleicht sogar mit Camping verbunden :)

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